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Kultur
11/15/2021

MTV Europe Music Awards mit Zeichen gegen Orbáns Politik

Der Preis "Generation Change" ging an die ungarische Aktivistin Viktoria Radvanyi, Song-Contest-Gewinner Maneskin als beste Rockgruppe ausgezeichnet.

Zum Missfallen der ungarischen Regierung ist bei den diesjährigen MTV Europe Music Awards (EMA) ein Zeichen für Toleranz gegenüber nicht-heterosexuellen Menschen gesetzt worden. Bei der Gala in Ungarns Hauptstadt Budapest ging der "Generation Change" benannte Preis am späten Sonntagabend an die ungarische Aktivistin Viktoria Radvanyi, die seit langem an der Organisation des Marsches "Budapest Pride" beteiligt ist, wie das regierungskritische ungarische Nachrichtenportal telex.hu berichtete.

"Alle Menschen werden gleich geboren. Punkt", sagte Radvanyi bei der Preisverleihung. Sie dankte ihrer Lebensgefährtin sowie ihren Mitstreitern vom Verein "Budapest Pride", der alljährlich mit einer Demonstration auf die Diskriminierung sexueller Minderheiten aufmerksam macht.

"Orbán, Love Wins!"

Zahlreiche Künstler drückten im Laufe des Abends ihre Solidarität gegenüber der LGBTQI+-Community aus, darunter die Moderatorin des Abends, Saweetie. 

Yungblud küsste am Ende seines Auftritts seinen Gitarristen, der britische Influencer und Aktivist Jeetendr Sehdev trug am roten Teppich einen Anzug mit der Aufschrift "Orbán, Love Wins!". 

Ungarischer Minister: "Provokation gegen Regierung"

Die rechtsnationale Regierung Ungarns von Ministerpräsident Viktor Orban betreibt eine offen gegen Homosexuelle gerichtete Politik. In diesem Jahr setzte sie ein Gesetz durch, das Minderjährigen verbietet, sich über nicht-heterosexuelle Lebensformen zu informieren. Die EU hat deswegen ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land eingeleitet.

Im Vorfeld der EMA-Gala war bereits bekanntgeworden, dass die LGBT-Bewegung (Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender) mit einem Preis gewürdigt werden sollte. Dazu hatte Orbáns Kanzleramtsminister Gergely Gulyás gesagt, dass dieses Event zu einer "Provokation gegen die Regierung" benutzt werden würde.

"Solidarität demonstrieren"

Nachdem das umstrittene Gesetz im Sommer beschlossen wurde, gab es Überlegungen, die EMAs woanders zu veranstalten: Chris McCarthy, der CEO von MTV Entertainment Group Worldwide, sagte im Herbst, man habe sich dann jedoch dazu entschieden, "die Möglichkeit zu nutzen und Solidarität mit der LGBTQ+-Community in Ungarn und auf der ganzen Welt zu demonstrieren".  

Während die EMAs am Sonntag ein Zeichen gegen Orbáns Politik setzten, wurde dieser beim Parteitag der rechtsnationalen Fidesz als Vorsitzender wiedergewählt. Dort wiederholte er einmal mehr bekannte Äußerungen, wie Reuters berichtet: Ungarn lehne westlichen Liberalismus ab, so Orbán. Die Ehe werde in Ungarn "zwischen einem Mann und einer Frau" geschlossen: "Ein Vater ist ein Mann und eine Mutter ist eine Frau". 

Maneskin und BTS ausgezeichnet

Preise gingen am Sonntag unter anderen an die Künstler Amir Ashour, Matthew Blaise, Sage Dolan-Sandrino und Erika Hilton. Im Vorjahr hatte es die Preisverleihung wegen der Corona-Pandemie nur im Online-Format gegeben. Diesmal fand das Event in einer voll besetzten Sportarena statt. Zur besten Rockgruppe wurden die italienischen Song-Contest-Gewinner Maneskin gekürt. Die Band setzte sich gegen weitere Nominierte wie Coldplay, Foo Fighters, Imagine Dragons, Kings Of Leon und The Killers durch. Es ist der erste italienische Erfolg in einer internationalen Kategorie in der Geschichte der European Music Awards.

"Viele Leute sagten uns, dass wir es mit Musik nicht schaffen würden. Nun, sie hatten Unrecht", kommentierte Maneskin-Sänger Damiano David. Ed Sheeran, der als "Bester Künstler" und für den "Besten Song" ausgezeichnet wurde, eröffnete den Abend inmitten von Neon-Graffiti mit seiner neuesten Single "Overpass Graffiti", bevor er seinen Hit "Shivers" vortrug. Die südkoreanische Band BTS erhielt mit vier Auszeichnungen die meisten Preise, darunter "Best Pop", "Best K-Pop", "Best Group" und "Biggest Fans". Lil Nas X gewann in der Kategorie "Bestes Video" mit "Montero (Call Me By Your Name)", während Nicki Minaj in der Kategorie "Bester Hip-Hop" gewann.

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