© Universal Music/Anthony Molina

Kultur
11/16/2019

Milky Chance im Interview: "Unromantische Art, zusammenzuarbeiten"

Das Duo aus Kassel, das 2013 mit dem Song "Stolen Dance" durchstartete, veröffentlicht das Album "Mind The Moon".

Auf einem flachen Felsenvorsprung im Meer auf der Insel Giske in Norwegen steht das Ocean Sound Recording Studio. Dorthin pilgerte das deutsche Duo Milky Chance für sein drittes Album „Mind The Moon“ – und kam nicht nur mit Songs im typischen, von Reggae und Hip-Hop beeinflussten Pop-Sound zurück, sondern auch mit dem Album-Titel.

„Dort trittst du vor die Tür und bist ständig vom Meer umgeben“, erklärt Sänger Clemens Rehbein im Interview mit dem KURIER. „Da spürst du die Kraft der Gezeiten und des Mondes, merkst viel deutlicher, warum ihm mystische Kraft zugeschrieben wird. Als wir dann draufgekommen sind, dass wir auch in den wo anders aufgenommenen Songs den Mond oft als Metapher für Melancholie und Magie verwendet hatten, kamen wir auf ,Mind The Moon‘.“

Neben dem Studio in Giske arbeiteten Rehbein und sein Partner, der Soundtüftler Philipp Dausch, auch in Italien und Australien: „Wir wollten an abgeschiedene Orte gehen, wo man von der Natur umgeben ist, um in Ruhe kreativ sein zu können. Denn nach dem Debüt waren wir einige Jahre auf der ganzen Welt auf Tour und konnten uns für das zweite Album nicht so viel Zeit nehmen. In Italien waren wir jetzt in einem Ort nahe der Dolomiten, hatten ein herrliches Bergpanorama vor uns. In Australien waren wir aber direkt in Melbourne.“

Der Grund dafür ist die dort ansässige Gitarristen Tash Sultana, mit der Milky Chance den Song „Daydreaming“ aufgenommen haben: „Wir haben sie bei der ersten Tour einmal kurz getroffen und sofort gemocht, weil sie eine großartige Musikerin ist. Mit dem zweiten Album waren wir erstmals auf Südamerika-Tour, haben dort mit ihr auf einem Festival gespielt und sie richtig kennengelernt. Dabei kam sofort die Idee auf, gemeinsam etwas aufzunehmen.“

Auch wenn Milky Chance schon in den USA und ganz Europa – darunter auch beim renommierten Glastonbury-Festival – aufgetreten sind, war der Südamerika-Trip doch der, der die beiden am nachhaltigsten beeindruckt hat: „In diesen riesigen Städten wie zum Beispiel Santiago de Chile oder São Paulo findet das Leben vorwiegend auf der Straße statt. Es ist zwar alles nicht so strukturiert und geordnet wie bei uns. Ich habe aber gerade deshalb dort große Freiheit gespürt. Und das Temperament der Leute bei den Shows ist fantastisch.“

Das Feature des südafrikanischen Chors Ladysmith Black Mambazo auf „Eden’s House“ war für das Duo pure Nostalgie: „Wir haben in der Schule im Chor gesungen – auch Songs von Ladysmith Black Mambazo, die wir so lieben gelernt haben. Bei ,Eden’s House‘ dachten wir, sie würden gut reinpassen, haben sie gefragt und sie sagten zu. Leider mussten wir aus Zeitgründen Files hin- und herschicken, haben sie nicht getroffen. Eine unromantische Art zusammenzuarbeiten. Aber besser so, als gar nicht.“

INFO

Milky Chance treten am 28. Febuar 2020 im Wiener Gasometer auf