Kultur
08.09.2018

Mike Shinoda in Wien: Mut statt Trauer, Piano statt Riffs

Der Songwriter von Linkin Park ließ in der Wiener Arena interessante Versionen der Band-Klassiker hören.

Als sich Linkin-Park-Sänger Chester Bennington im Juli 2017 das Leben nahm, ließ er seinen Freund, Songwriter Mike Shinoda verzweifelt zurück. „Ich wusste nicht, ob ich weiter Musik machen kann“, erzählte Shinoda im KURIER-Interview, als er das Solo-Album „Post Traumatic“ veröffentlichte, in dem er die schwierige Zeit verarbeitet. „Ich war gewohnt, Songs zu schreiben, die ich Chester geben konnte – und er würde sie unglaublich machen, weil er so ein großartiger Sänger und Performer war.“

Jetzt ist Shinoda wieder auf Tour. Ohne seinen Freund muss der 41-Jährige, der sich bei Linkin Park-Shows eher im Hintergrund hielt, bei jedem Song den Rampenpart ganz vorne übernehmen. Sein Konzert in der Wiener Arena zeigte Freitagabend, dass er auch das kann.

Unermüdlich läuft er über die Bühne, springt wie besessen bei den Rap-Parts, hockt sich hin, um die Fans vorne nach Song-Wünschen zu fragen, die er  dann auch erfüllt. Mal spielt er Gitarre, dann Keyboards und Sampler. Begleitet wird er von einem Vielinstrumentalisten (als Ersatz für Tour-Drummer Dan Mayo), der Bass, Gitarre und Percussion spielt.

Spartanisch

Von Anfang an können die beiden super Stimmung machen, haben mehr Songs von Linkin Park im Programm, als von „Post Traumatic“ und schieben immer wieder Stücke von Shinodas Rap-Projekt Fort Minor dazwischen.

Dann ist Shinoda allein auf der Bühne, beginnt ein Medley mit den Klassikern von Linkin Park, unter anderen mit „Numb“ und „In The End“ – begleitet nur von ein paar Piano-Tönen.

Clever! Denn mit dem Setup von zwei Personen, wo viel von Festplatten kommt, kann er unmöglich die Kraft erreichen, die Linkin-Park Shows mit sechs Live-Musikern und satten Rock-Gitarren hatten. So spartanisch zelebriert werden diese Klassiker in Wien trotzdem zum emotionalen Höhepunkt, bei dem 3200 Besucher in der ausverkauften Arena andächtig in Benningtons Rolle schlüpfen und Shinoda nur mehr Klavier spielt.

Auch wenn die Zukunft von Linkin Park immer noch in den Sternen steht – mit dem Mut, weiterzumachen und die Band-Klassiker in neuen Versionen selbst zu singen (und singen zu lassen), scheint Shinoda einen guten Weg für seine eigene Zukunft gefunden zu haben.