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Kultur
07/10/2019

Metastadt Tag zwei: Mit Greta Van Fleet ausverkauft

Die gehypte US-Rockband, die sich an Led Zeppelin orientiert, konnte in Wien viele Vorurteile widerlegen.

von Brigitte Schokarth

Tag zwei in der Metastadt. Und diesmal ist die neue Wiener Open-Air-Location mit 5000 Besuchern ausverkauft. Die Band, die das verursacht hat: Greta Van Fleet! Drei Brüder mit dem Nachnamen Kiszka aus einem Kaff namens Frankenmuth in Michigan und Drummer Danny Wagner. Zwischen 20 und 23 Jahren sind sie jung, haben mit ihrem an Led Zeppelin angelehnten Sound Anfang des Jahres einen Grammy gewonnen, einen Hype, aber auch Diskussionen ausgelöst. Kritiker fragen: Was für einen Sinn macht es, eine Band zu haben, die sich im Sound so ganz und gar Althergebrachtem verschreibt, wenn man auch die Originale hören kann?

Das Gegenargument ist das Konzert in der Metastadt. Ja, man kann Led Zeppelin, Ten Years After und The Who auf Konserve mittlerweile in der U-Bahn und auf Bergesgipfel hören, wenn man will. Aber das ist eben nicht dasselbe wie ein Live-Erlebnis. Und ja, die Kiszka-Brüder und ihr Drummer sind jung und ihre Unerfahrenheit ist in der Metastadt am Anfang zu hören. Frontmanm Josh zieht da vielleicht ein bisschen zu viele hohe Töne zu lang kreischend hinaus, klingt dabei zwischendurch flach. Auch das Zusammenspiel ist bei den ersten Songs etwas rau. Greta Van Fleet müssen erst zusammenfinden. 

Das tun sie aber und beim dritten Song, bei „Black Smoke Rising“, überträgt sich der Spaß, den sie ausstrahlen, auf das Publikum. Wie alle Musiker anno dazumal in den 70er-Jahren lassen sich Greta Van Fleet viel Zeit für ausgedehnte Soli, wobei Gitarrist Jake Kiszka mit Fortdauer der Show zu Hochform aufläuft.

 

Auch Joshs Stimme klingt jetzt kräftiger und selbstbewusster. Das Quartett bringt im Mittelteil die Akustik-Gitarre und damit eine Prise Folk-Flair ins Spiel, um sich gleich darauf einem schweren Blues zuzuwenden. „Watching Over“ ist ein Höhepunkt, bevor bei „Lover, Leaver (Taker, Believer)“ noch einmal ausladend gejammt wird.

Es stimmt schon, das Argument der Kritiker, dass nichts an dem Sound der Amerikaner originell ist und auch ihre Songs – im Vergleich zu den Klassikern ihrer Vorbilder - nicht die großartigsten sind. Eines aber ist deutlich zu spüren: Egal, wie sehr sie sich an den Größen der goldenen Zeit der Rockbands orientieren, sie lieben diesen Sound und erfüllen ihn deshalb mit Leben. 

Deshalb wirkte er in der Metastadt auch nicht wie eine Masche oder antiquiert. Ein bisschen aus der Zeit gefallen und anbiedernd war vielleicht der hautenge Gymnastik-Anzug von Josh Kiszka. Ohne dem wäre es möglicherweise noch ein Stückchen leichter gewesen, Greta Van Fleet abzunehmen, dass sie nichts anderes wollen, als hier und heute die Musik ihrer Eltern und Großeltern zu feiern. Schwer war es aber auch damit nicht.