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Kultur
12/05/2011

Medientage: Die umstrittenen 36 Minuten

Beim Online-Tag der Österreichischen Medientage war auch die ORF-Forderung nach mehr Werbeminuten Thema.

36 Minuten mehr Werbung möchte der ORF täglich senden dürfen, um seine Frühstücks-TV-Pläne realisieren zu können. Eine Ansage von ORF -Enterprise-Chef Franz Prenner, gegen die nun auch der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) protestiert: "Vor dem Hintergrund des europäischen Trends, öffentlich-rechtliche Anstalten werbefrei zu halten, wäre eine Fast-Verdoppelung der Werbezeit in Österreich aberwitzig", heißt es in einer Aussendung.

Am Rande gestreift wurde das Thema auch im Rahmen des Online-Tages bei den Österreichischen Medientagen. Es sei fraglich, ob man innerhalb des digitalen Raums einen ausgewogenen Markt herstellen könne, wenn "die einen ihr Angebot aus Gebührengeld finanzieren und die anderen sich ihren Verdienst am Werbemarkt hart erarbeiten müssen", sagte Gerold Riedmann vom Vorarlberger Medienhaus. Hier müsse - auch innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - ein Umdenken stattfinden. Wenn der ORF neue Projekte wie das Frühstücksfernsehen plane, "packt er den Klingelbeutel aus. Bei den Zeitungen können wir so nicht kalkulieren."

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz - ebenfalls Diskutant zum Thema "Qualität und digitale Medien" - wurde gefragt, ob man "die kontrollieren kann, die einen kontrollieren". "Natürlich", sagte Wrabetz. Die Rolle der BBC bei der News of the World -Affäre sei dafür ein gutes Beispiel. Und für den ORF gelte: "Bei allen Korruptionsfällen, die es gegeben hat, haben wir ganz offensiv berichtet." (A. Gasteiger, KURIER)

Qualitätsjournalismus zahlt sich auch in Zukunft aus

Egal auf welchem Endgerät er rezipiert wird, guter Journalismus ist auch im digitalen Zeitalter unerlässlich und wird sich lohnen - so der Tenor der Medienmacher bei der Podiumsdiskussion. Je vielfältiger die Endgeräte seien, desto wichtiger sei es aber auch, alle Kanäle zu bespielen, sagte etwa ORF-General Alexander Wrabetz.

Wrabetz betonte weiters, dass der ORF auch in Zukunft kein zusätzliches Geld für Angebote verlange, "für die der Kunde bereits Gebühr bezahlt hat" - Apps, wie etwa eine "Zeit im Bild"-App, werden kostenfrei sein. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk stehe für Qualitätsjournalismus - auch im Netz, meinte Lutz Marmor vom deutschen NDR. Wie auch der ORF-Chef hält er es daher für unerlässlich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender seine Inhalte auf allen Kanälen verbreitet.

Darin, dass man sich in Zeiten wachsender digitaler Konkurrenz durch hochqualitativen Journalismus vom übrigen Angebot absetzen müsse, waren sich die Diskutanten einig. "Egal ob sie in Stein gemeißelt oder in 20 Jahren von Staubsaugern an die Wand projiziert werden: Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte und darin müssen wir investieren", so Gerold Riedmann.

Wolfgang Bretschko, Vorstand der Styria Media Group, ist davon überzeugt, dass die Medien seines Hauses "die kontrollierende und investigative Funktion gut übernehmen. Uns ist bewusst, dass dies die Basis für die erfolgreiche Zukunft unseres Hauses ist." Ebenso sieht es Standard-Herausgeber Oscar Bronner, der Qualitätsjournalismus mit "Unabhängigkeit, Überparteilichkeit, Fairness und mit den Lesern auf Augenhöhe Agieren" definiert. Qualitätsjournalismus koste Geld, aber man könne ihn - egal auf welchem Endgerät - nutzen.

Christoph Keese von Axel Springer glaubt an die Zukunft des Qualitätsjournalismus auf Tabloids. "Die Menschen sind gewohnt, für mobile Services zu bezahlen. Diese Kaufbereitschaft ist eine gute Voraussetzung dafür, dass Qualitätsjournalismus hier ein Geschäftsmodell findet." (apa)

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