Xavier Naidoo: Nach Comeback Rückfall mit "Kinderfresser"-Aussagen

Nach seinem Konzert-Comeback fiel der deutsche Soulsänger erneut mit irritierenden Aussagen auf.
Xavier Naidoo bei einem Konzert.

Der umstrittene Soul-Sänger Xavier Naidoo hat kurz nach seinem Comeback auf einer Demonstration vor dem deutschen Bundeskanzleramt in Berlin erneut mit Aussagen irritiert. "Wir reden von Menschenfressern", sagte der 54-Jährige auf der Veranstaltung "Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen" mit Bezug zu den Epstein-Akten. "Wir reden nicht von normalem Sex-Trafficking und jungen Frauen und so. Nee, die fressen unsere Babys."

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte bewertet Naidoos Wortwahl als radikalisierend: "In der Vergangenheit hat Xavier Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie 'Tothschild' die Spur zum Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet", sagte Michael Blume. "Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe 'Kinderfresser' und 'Menschenfresser' als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen." Dies sei sehr gefährlich.

Seit Jahrhunderten gibt es die antisemitische Verschwörungserzählung, die besagt, dass Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töteten. Naidoos Management äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

 

"Wir haben alle schon Menschenfleisch gegessen"

Der Musiker beantwortete bei der kleinen Demonstration am Dienstag Fragen von Teilnehmern und Reportern. Dabei sagte er auch Sätze, wie: "Ich kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben." oder "Ich bin mir sicher, wir haben alle schon Menschenfleisch gegessen, ja. Ja. Unwissentlich haben wir bestimmt alle schon einen Mensch gefressen." Das entsprechende Video ist auf Youtube zu sehen. Bei den Epstein-Akten geht es um Dokumente im Zusammenhang mit dem 2019 in Haft gestorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieb.

Tour-Comeback im Dezember

Erst Mitte Dezember hatte Naidoo erstmals seit Jahren wieder ein großes Konzert gespielt. Die Kölner Lanxess-Arena war mit 16.000 Fans voll besetzt. Der 54-Jährige bedankte sich bei ihnen überschwänglich für die Unterstützung. „Wegen Euch bin ich hier!“, rief er ihnen zu. Und bezeichnete sich dann im Scherz als Frührentner. Um Naidoo, einst nahezu omnipräsent auf Bühnen, im TV und Radio, war es still geworden. 

Über Jahre hatten sich die Kontroversen um ihn gehäuft. Lange Zeit war er mit Aussagen aufgefallen, die ihm Antisemitismus- und Rassismus-Vorwürfe einbrachten. Naidoo trat mit sogenannten Reichsbürgern auf, verbreitete Theorien der QAnon-Verschwörungsideologie, wonach angeblich Kindern in satanischen Ritualen Blut abgezapft werde. Zudem vertrat er in der Vergangenheit die Ansicht, dass die Erde nicht rund sei. und polarisierte mit Äußerungen zur Corona-Pandemie. 

2020 nahm RTL ihn aus der Jury der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Geplante Auftritte wurden damals zunehmend zum Politikum, da sich Widerstand gegen seine Konzerte formierte.

Ein Video als Zäsur - oder? 

2022 überrasche Naidoo mit einem rund dreiminütigen Video, in dem er sich entschuldigte und von extremen Positionen distanzierte. Er sei von Verschwörungserzählungen „geblendet“ gewesen, erklärte er darin. Er habe sich „Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet“, von denen er sich aber lossage. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus seien nicht mit seinen Werten vereinbar - er verurteile sie. Kritiker bemängelten das Statement als zu unkonkret.

Beim Konzert in Köln sang Naidoo dreieinhalb Jahre später sein Lied „Hört, Hört“, in dem es heißt „Meine Lieder haben viele gehört - wahrscheinlich habe ich aber vielmehr verstört.“ 

Bald wieder richtig „drin“?

Am Landgericht Mannheim sind weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo anhängig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es dabei um Inhalte mit den Holocaust leugnendem und antisemitischem Charakter, die über einen Telegram-Kanal verbreitet wurden. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe und beteuern die Unschuld des Musikers. 

Am Ende seines Auftritts in Köln sagte Naidoo: „Dann bin ich wieder richtig drin.“ Der jüngste Auftritt zeigt möglicherweise in eine andere Richtung.

 

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