Sorge um die "Washington Post": Es wird dunkel im Leuchtturm

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Bei der Washington Post soll es erneut herbe Personalkürzungen geben. In einer Social-Media-Kampagne verleihen Medienschaffende ihrer Betroffenheit Ausdruck.

Demokratie, schrieb sich die Washington Post 2017 als Motto ganz oben auf die Titelseite, stirbt in Dunkelheit.

Damals war die erste Amtszeit von Donald Trump in voller Blüte, und nicht nur für die Medien war es eine tumulthafte Zeit. Die Zeitung, eines der wichtigsten Medien und eine politische Institution des Landes, gab sich kämpferisch, als Leuchtturm von Demokratie und Freiheit. 

Seit Sonntag hört sich das anders an.

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Laut intern kursierenden Gerüchten und mehreren Berichten soll die Zeitung im Februar erneut vor einschneidenden Kürzungen stehen. 100 Journalistinnen und Journalisten soll es treffen, mehr als zehn Prozent der Redaktion. Besonders hart sollen die Kündigungen bei der Sportredaktion, der Lokal- und der Außenpolitikberichterstattung werden. Bestätigt ist das alles noch nicht. Aber es wäre ein weiterer tiefer Einschnitt für die Branche und noch dazu in jener Zeitung, die einst den Watergate-Skandal aufdeckte. Es wäre auch eine weitere Schwächung jener Medien, die während Trumps zweiter Amtszeit Aufklärung durch Recherche betreiben.

Trauer

Aber noch etwas klingt diesmal anders: Die Medienbranche ist eigentlich Leid gewöhnt. Zahlreiche auch große Medien haben Personal abgebaut, auch in Europa. RTL streicht Hunderte Stellen, in Österreich sind mehr als 1.000 Journalisten arbeitslos. Wo aber bisher Verunsicherung und Wut die bestimmende Reaktion war, ist nun angesichts der Pläne der Washington Post eine neue Emotion zentral in den öffentlichen Äußerungen: Trauer nämlich, um dieses Flaggschiff und um die Branche. Die Social-Media-Posts der Betroffenen „spiegeln einen unverblümten Ausbruch von Trauer und Verzweiflung unter Journalisten wider, die miterleben, wie eine ehrwürdige Institution in die Knie gezwungen wird“, analysiert das renommierte Nieman Lab.

Bereits 2023 wurden laut New York Times 240 Mitarbeitern finanzielle Angebote gestellt, damit diese die Zeitung verlassen. Die Washington Post hat Verluste in Millionenhöhe verzeichnet – und im Gegensatz zur New York Times die Transformation zu einem Digitalmedium nicht geschafft.

Das ist insofern besonders heikel, da die Zeitung einem Digitalmilliardär gehört. Amazon-Chef Jeff Bezos hat die Post 2013 gekauft – und damals versprochen, mit langem Atem die Institution in die Zukunft zu führen. Davon war zuletzt weit weniger die Rede.

Jeff Bezos.

Immer noch sitzt der Redaktion wie der ganzen Branche in den Knochen, dass Bezos im Vorjahr – zu Beginn der zweiten Trump-Amtszeit – direkt in die Berichterstattung der Post eingriff: Er untersagte, dass die Zeitung sich, wie in den USA üblich, im Präsidentschaftswahlkampf deklariert (und so eventuell Trump düpiert). Und er legte fest, dass in Kolumnen nur noch Meinungen vertreten werden dürfen, die „persönliche Freiheiten“ und „freie Märkte“ unterstützen.

Abokündigen folgten en masse. Seither haben auch viele renommierte Journalisten das Medium verlassen, mal mit, mal ohne Protest.

Angesichts der neuen Spargerüchte richten sich viele der Verbliebenen nun direkt an Bezos: Unter dem Hashtag #SaveThePost wird dieser angehalten, die Zeitung zu retten. Finanziell wäre das machbar, geht es doch um Summen, die einen Multimilliardär vor geringe Herausforderungen stellen.

„Schande“ für Bezos

„Wir riskieren unser Leben für die Geschichten, die unsere Leser fordern“, schrieb die Chefin des Ukraine-Büros, Siobhán O'Grady. 

Die Russland-Spezialistin Catherine Belton bezeichnete es als „undenkbar“, genau jetzt – „während der größten Veränderung in der Weltordnung seit dem Fall der Sowjetunion“ – die Außenpolitikberichterstattung einzuschränken.

Auch die Sportredaktion wird verteidigt – von innen und außen: „Nur ein seelenloser Konzernboss würde denken, die Zeitung wäre ohne sie besser. Eine kurzsichtige, feige Entscheidung. Schande ist euer Vermächtnis“, schrieb Jeff Passan von ESPN. Zu Olympia darf die Redaktion jedenfalls nicht mehr fahren – sie wurde kurzfristig zurückgepfiffen.

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