Vom Publikum geliebt, von Kritikern verehrt: Ursula Strauss, ein Star ohne Allüren

© Kurier/Jeff Mangione

ROMY 2020
04/04/2020

Ursula Strauss: „Kritik geht sehr tief“

Die preisgekrönte Schauspielerin erzählt über ihre Gefühlswelt in Sachen Corona, ihren Comedy-Einsatz und das Beobachten von Menschen

Man kennt ihr Gesicht. In nahezu allen Gefühlszuständen. Strahlend, skeptisch, betroffen, selbstbewusst. Ob TV-Serie oder Arthouse-Film, Ursula Strauss (45) spielt Menschen am Abgrund ebenso intensiv wie die toughe Kommissarin, eine fürsorgliche Mutter oder die schlagfertige Chefin eines Putztrupps – die vielfach preisgekrönte Niederösterreicherin ist für die ORF-Comedy „Wischen ist Macht“ für die ROMY nominiert. Ein Star ohne Allüren im Gespräch.

KURIER: Wie fühlen Sie sich, wenn alle Theater zugesperrt und Dreharbeiten wie jene zu „Schnell ermittelt“ gestoppt sind?

Ursula Strauss: Ich liebe meine Arbeit, entsprechend hart ist es, wenn ich ihr nicht nachgehen darf. Andererseits ist alles entschleunigt. Ich kann so viele Bücher lesen und Filme sehen wie schon lange nicht. Noch können wir uns alle einreden, dass es auch einmal schön ist, mehr Zeit für sich zu haben, aber wenn das noch lange dauert, wird es hart – nicht nur für mich, sondern für uns alle.

Fehlt es Ihnen, Preise – wie jenen der Diagonale, den sie im März erhalten sollten, oder vielleicht die ROMY – in einer gemeinsamen Feier entgegenzunehmen?

Es genügt das Wissen um die Anerkennung durch Publikum und Kollegen. Viel mehr sorgen mich die Folgen der Corona-Krise. Was es bedeutet, wenn so viele Menschen vor dem Nichts stehen oder wenn sie schwer an diesem Virus erkranken. Verglichen mit diesen Schicksalen geht es mir gut. Meine Wohnung ist zwar nicht sehr groß, aber man kann gut darin leben. Und was noch viel wichtiger ist: Ich bin nicht allein, sondern gemeinsam mit meinem Mann. Ohne ihn wäre es für mich viel schlimmer.

Ihr Mann ist und bleibt der „große Unbekannte“?

Wenn man genau schaut, kann man ihn immer wieder an meiner Seite sehen. Aber es ist seine Entscheidung, dass er kein Leben in der Öffentlichkeit führen will. Unser Privatleben soll privat bleiben, denn es ist auch mein Schutzbereich.

Sie sind für „Wischen ist Macht“ ROMY-nominiert. Was war der Reiz der Rolle?

Ich hatte vor allem Lust, mich wieder einmal in einer Komödie zu versuchen. Ich habe in letzter Zeit vor allem Frauen gespielt, die es im Leben nicht so lustig hatten. Meine Figur in „Wischen ist Macht“ hat’s auch nicht leicht, aber sie setzt gegen die Tücken des Lebens ihren Witz als Waffe ein. Humorvolle Rollen sind immer eine Herausforderung. Aber ich habe mir gedacht: Wer nicht wagt, nicht gewinnt. Auch keine ROMY (lacht).

Als Künstlerin ernten Sie ja nicht nur Preise, sondern auch Kritik.

Kritik geht sehr tief. Aber wer den Weg des Schauspielens wählt und sich selbst in den Dienst der Geschichten stellt, muss mit Kritik rechnen. Sie ist nur dann schwierig, wenn sie respektlos ist. Ehrlichkeit und Selbstreflexion muss man ohnehin haben in diesem Job. Denn sonst nimmt man ihn, das Leben und die Mitmenschen nicht ernst, und das wäre vor einem selbst respektlos.

Als Schauspielerin braucht es gute Menschenkenntnis. Fällt es Ihnen schwerer, andere zu beobachten, seit Sie überall erkannt werden?

Es ist schwieriger, aber ich habe früh gelernt, meine Beobachtungsgabe flexibel einzusetzen. Es interessiert mich, worüber die Menschen reden und was ihr Gesichtsausdruck über ihre Gefühle verrät. Meine Aufmerksamkeit hat Leute am Nebentisch schon irritiert, als noch niemand mein Gesicht erkannte. Höflich war das schon damals nicht – aber inzwischen bin ich diskreter (lacht).

Sie sind im Präsidium der Österreichischen Filmakademie, die den Kinofilm hochhalten und vom Fernsehen abgrenzen will. Wird Corona die beiden Medien einander näherbringen?

Der Unterschied liegt aus meiner Sicht vor allem darin, dass im Kino – dank Förderungen – eher Innovationen und Experimente möglich sind als im Fernsehen, das ein möglichst großes Publikum unterhalten muss. Wobei ich betonen möchte, dass Kunst und Unterhaltung einander keinesfalls ausschließen. Den Wert der Unterhaltung kann man nicht hoch genug einschätzen. Denn es bedeutet das Wort „Unterhaltung“ ja auch, dass man mit anderen spricht. Und wenn wir uns als Schauspieler nicht nur mit Partnern in einer Filmszene, sondern über die Leinwand, über den Bildschirm hinaus mit vielen Menschen unterhalten können, finde ich das großartig.

Interview: Gabrielle Flossmann

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