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Kultur Medien
05/07/2019

ORF distanziert sich nach Interview von Böhmermann-Sagern

Im "Kulturmontag" attackierte der Deutsche die heimische Regierung satirisch.

Der ORF hat sich nach einem Interview mit dem deutschen Satiriker Jan Böhmermann von dessen Aussagen distanziert. "Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben", sagte Moderatorin Clarissa Stadler im "Kulturmontag".

Das Interview wurde aus Anlass der Böhmermann-Ausstellung „Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich“ im Grazer Künstlerhaus geführt. Böhmermann hatte darin Bundeskanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache satirisch attackiert. Er halte es für "nicht normal", dass Österreich "von einem 32-jährigen Versicherungsvertreter" geführt werde, meinte er etwa, und er warf dem Vizekanzler "Volksverhetzendes" auf Facebook vor.

Für empörte Kommentare von FPÖ-Politikern in Aussendungen, auf FP-nahen Onlineseiten oder auch jener der „Kronen Zeitung“ sorgte Böhmermanns Weiterentwicklung eines Zitats aus Thomas Bernhards „Heldenplatz“. Angesprochen auf den dortigen (Ende der 80er-Jahre höchst erregt diskutierten) Befund, Österreich bestehe aus „sechseinhalb Millionen Debilen und Tobsüchtigen“ merkte der deutsche Satiriker an, dass sich das Rad der Zeit ja weiterdrehe - es somit jetzt „acht Millionen Debile“ wären, und der Ruf nach autoritärer Führung sei immer noch sehr laut.

Er stellte übrigens selbst die Frage, ob der ORF diese seine Aussagen denn senden dürfe - und „ob's da noch was zu lachen gibt“ beim ORF, drohe doch eine Reform samt Umbenennung in „FPÖ-TV“ und die Finanzierung über Steuern, „um den Sender näher ranzuholen an den Staat, wo er hingehört“.

Böhmermann reagierte auf Twitter:

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, der jüngst im ORF dem Moderator Armin Wolf für seine Interviewführung live auf Sendung "Folgen" angedroht und damit für großes internationales Medienecho gesorgt hat, empfand die Distanzierung des ORF wiederum als "halbherzig": "Einfach hinzunehmen, dass jemand die gesamte österreichische Bevölkerung beschimpft und im Anschluss an die Sendung dann eine nicht ernstzunehmende Entschuldigung vorzugaukeln, ist an Schamlosigkeit kaum mehr zu überbieten. Der ORF entwickelt sich immer mehr zu einer reinen Propagandamaschine von Rot-Grün", meinte Vilimsky in einer Aussendung.