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Kultur Medien
09/05/2019

"Mein Wahlometer": 1, 2 oder 3, ob ihr wirklich richtig steht?

In dem neuen ORF-Polit-Format werden die Positionen der Parteien einem möglichst jungen Publikum näher gebracht. Mit Hilfe von sehr jungen Helferleins.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Um 20:15 Uhr tönt aus den Fernseherlautsprechern Musik, die man sonst nur auf FM4 hört: "Nobody speak" von DJ Shadow. ORF-Moderatorin Lisa Gadenstätter schlendert durch die Säulenhalle des Parlaments, dazu springen Eckpunkte der jüngeren Zweiten Republik ins Bild - und wieder hinaus. Dann betritt Gadenstätter in dem schmissigen Intro den Plenarsaal des Nationalrats, der mit Special Effects als Riesen-Baustelle dargestellt wird – was er derzeit ja auch ist.

Mit „Mein Wahlometer“ führt ORFeins also seine Serie an innovativen, jüngeren TV-Formaten zur Wahlkampfbegleitung fort. Nach der „Wahlfahrt“ mit Hanno Settele und dem Polit-Quiz „Nationalraten“ gibt es jetzt ein Hauptabendformat, in dem möglichst übersichtlich und verständlich die Positionen der sechs aussichtsreichsten Parteien dargestellt werden sollen. In Teil 1 ging es um „das liebe Geld“.

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Optisch und schnitttechnisch hat man in der neuen Show noch etwas draufgesetzt. Der Meinung der Wähler wird bei Straßenumfragen nachgespürt, naturgemäß lehnen sich da nicht viele Befragte mit ihrer Meinung weit hinaus. Um etwas mehr Repräsentativität zu vermitteln, werden die einzelnen Polit-Themen zusätzlich mit entsprechenden (SORA-)Umfragen unterfüttert. Anschließend werden diese Einstellungen mit den offiziellen Positionen der aussichtsreichsten Parteien abgeglichen, die in Kooperation mit dem Online-Portal wahlkabine.at abgefragt wurden.

Immer steht dabei der sogenannte „Wahlometer“ im Zentrum. Es ist eine siebenteilige Skala, in der Mitte befindet sich ein Kreis, der Gleichgültigkeit darstellt. Links und rechts davon sind die Antworten „JA“ und „NEIN“ in jeweils drei Gewichtungen platziert. Also von wenig bis sehr wichtig.

"1, 2 oder 3"

Bei der Darstellung der Parteienpositionen hat man auf eine „lebende Infografik“ zurückgegriffen. Jeweils drei Kinder tragen einen Helm in Parteifarbe, wuseln ein bisschen auf dem politischen Spielfeld herum und stellen sich dann auf jenes Feld, das die jeweilige offizielle Parteiantwort vorgegeben hat.

Dass die noch nicht wahlberechtigten Kinder die Zukunft des Landes darstellen sollen, klingt zwar etwas bemüht, aber die offensichtliche Reminiszenz an die legendäre Spielshow „1, 2 oder 3“ hat schon Witz.

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Mitverantwortlich für diese Entscheidung ist wahlkabine.at, das Teil des Redaktionsteams ist. Das Portal liefert seit einigen Jahren Orientierungshilfe vor Wahlgängen und hat ein ähnliches Wertungssystem wie das ORF-"Wahlometer".

Kürzlich hat die ÖVP sogar per Aussendung darauf hingewiesen, dass bei drei Fragen im Online-Fragebogen auf wahlkabine.at nicht die von der Volkspartei übermittelten Antworten übernommen worden seien. Konkret ging es dabei um drei Fragen (11, 16 und 18), eine davon ist die am Dienstag gezeigte Frage zum Rechnungshof.

Eine ausführliche Begründung der Entscheidung lieferte ein Redaktionsmitglied, der Politikwissenschaftler Laurenz Ennser-Jedenastik, in diesem Twitter-Thread. Dort kommt zur Sprache, das auch Antworten anderer Parteien "gedreht" wurden.

Politiker erklären Positionen

ÖVP-Chef Sebastian Kurz sagte in der Sendung: „Positionen können sich ja auch verändern“. Er sei für mehr Transparenz eingetreten, Ibiza sei dafür „ein klares Signal“ gewesen.

Wie Sie bereits merken, kommen auch die Spitzenkandidaten der Parteien in „Wahlometer“ zu Wort. Dass die Bewerber dabei nicht direkt aufeinander treffen, ist im derzeitigen Dschungel an Wahlduellen und heftigen Polit-Debatten fast wohltuend.

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Es stehen einmal nicht harter Widerstreit, sondern Inhalte im Vordergrund, auch wenn Werner Kogler an einer Stelle „Alles Blödsinn!“ sagt. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zum Beispiel garantiert "eine Million Euro steuerfrei" beim Thema Erbschaftssteuer.

Und FPÖ-Spitzenkandidat Norbert Hofer sagt am Ende, er möchte "am liebsten gar keine Spenden mehr haben", "ich will das gar nicht." Ob er sie zurücküberweisen wolle? Hofer: "Das wäre das gescheiteste."

Und die kleinen Helferleins von "Mein Wahlometer"? Sie wollen wiederkommen, weil: "Das war so cool". 

LINK: Zum Nachschauen - "Mein Wahlometer" in der ORF-TVThek