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Kultur Medien
10/08/2020

"Ich bin jetzt tot": Herbert Feuerstein verfasste eigenen Nachruf

Kurz vor seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit beschloss der Satiriker vorsorglich, eine Nachrufsendung aufzunehmen. Sie wurde gestern im WDR ausgestrahlt.

von Peter Temel

Am Dienstag, den 6. Oktober 2020, ist der Satiriker Herbert Feuerstein im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Erftstadt bei Köln verstorben. 2091 Tage davor hat er einen Nachruf verfasst und fürs Radio aufgenommen.

Feuerstein war immer experimentierfreudig. Als legendärer Chefredakteur der deutschen Ausgabe des MAD-Satiremagazins, als Hirn der WDR-Comedy-Talksendung "Schmidteinander" gemeinsam mit Harald Schmidt, als Gestalter von Reportagen und Radiosendungen.

"Ich will nicht lange drum rum reden"

Seiner Kollegenschaft traute er offenbar nicht ganz über den Weg und daher hinterließ er, bevor er sich 2015 aus der Öffentlichkeit zurückzog, noch schnell einen ausführlichen Nachruf. Aber lassen wir Herrn Feuerstein das gleich selbst erklären: 

"Ich will nicht lange drum rum reden. Ich bin jetzt tot und Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, werden das eines Tages auch sein. Spätestens dann sind wir quitt, und davor will ich Sie noch einmal 150 Minuten lang unterhalten."

Der Radiosender WDR5 strahlte gestern, am Tag, als die Nachricht vom Tod Feuersteins kam, die 22. und letzte seiner "SpielArt"-Sendungen aus. Darin erzählt er aus seinem Leben, das 1937 in Zell am See (Sbg.) begann, eingebettet in klassische Musik.

"Hahaha, reingefallen!"

Der Beginn ist dramatisch. Es orgelt Bachs berühmte Toccata und Fuge in d-Moll durch die Lautsprecher. Nach einigen Takten sagt Feuerstein:

"Hahaha, reingefallen! Das war jetzt natürlich ein Scherz. Bach … im Hollywoodformat. Aber schließlich muss ich das Gerücht aufrechterhalten, ich sei ein lustiger Mensch. Oder dachten Sie im Ernst, dass ich meinen Nachruf so pathetisch anfange? Ich bitt‘ Sie. Ich, ein bekennendes Nichts in einem dreizehneinhalb Milliarden Jahre alten Nichts, irrtümlich auch Universum genannt, obwohl nichts daran einzigartig ist, sondern rundherum auch noch die Unendlichkeit brodelt, samt ihren Myriaden von Paralleluniversen."

TV-Doku mit Hausbesuch

Feuersteins Haussender WDR zeigte am Mittwoch auch die Fernsehdoku "Herr Feuerstein schreibt seinen Nachruf und lebt noch 2091 Tage". Darin werden Teile der Aufnahmen zum Radio-Nachruf mit Bildern aus Feuersteins Karriere garniert. Weggefefährten wie Harald Schmidt kommen zu Wort und Comedy-Star Anke Engelke besucht den zurückgezogen gelebt habenden Feuerstein zu Hause.

Am Ende seines Nachrufs sagt Feuerstein: "Heute ist der 15. Januar 2015. Zu gern hätte ich das Sendedatum gewusst... naja, ach vielleicht auch lieber nicht. Aber danke, dass Sie mir noch mal zugehört haben. Tschüss!"

LINKS:
Zum Radionachruf (verfügbar bis 07.10.2021)
Zur Fernsehdoku (verfügbar bis 07.10.2021)

 

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