Andrea Hodoschek bei der Preisverleihung im Bank Austria Kunstforum.

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Kultur Medien
05/16/2019

Horst-Knapp-Preis an Andrea Hodoschek

Die Journalistin ist seit 1981 für die KURIER-Wirtschaftsredaktion tätig und schreibt die Kolumne "Wirtschaft von Innen"

Die KURIER-Wirtschaftsjournalistin Andrea Hodoschek („Wirtschaft von innen“) ist mit dem renommierten Prof. Horst Knapp-Preis ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt der Juryvorsitzende, Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny.

Seit 1981 tätig

Die Preisträgerin ist seit 1981 Mitglied der Wirtschaftsredaktion des KURIER. Als stellvertretende Ressortleiterin Wirtschaft von 1996 bis 2010 trieb sie die Neuausrichtung der KURIER-Wirtschaftsberichterstattung voran, deren Erfolg sich in ständig steigenden Leserzahlen widerspiegelte. Seit 2010 schreibt Hodoschek die Kolumne „Wirtschaft von innen“.

Die Festrede hielt Matthias Karmasin, Direktor des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung (CMC) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Unter dem Titel „Wozu Qualität? Zur Relevanz des Qualitätsjournalismus für Wirtschaft und Gesellschaft in mediatisierten sozialen Welten“ zeigte er auf, welche gesamtgesellschaftliche Bedeutung Qualitätsmedien auch und gerade in Zeiten von Social Media zukommt und wie sich Qualitätsjournalismus refinanzieren lässt.

Jährlich gestiftet

Mit dem Prof. Horst Knapp-Preis werden herausragende Leistungen im österreichischen Wirtschaftsjournalismus ausgezeichnet, die komplexe wirtschaftliche und sozialpolitische Zusammenhänge besonders klar und leicht verständlich aufbereiten. Eine unabhängige Jury vergibt den von der UniCredit Bank Austria gestifteten Preis im Gedenken an Prof. Horst Knapp, den 1996 verstorbenen Doyen des österreichischen Wirtschaftsjournalismus. Der Preis ist mit 7.000 Euro dotiert.

Andrea Hodoscheks Dankesrede im Wortlaut

"Sehr geehrter Herr Gouverneur, sehr geehrter Frau Direktor Tomanek, sehr geehrte  Jury, liebe Gäste und Freunde,

danke für diese tolle Auszeichnung, ich freue mich außerordentlich darüber. Ich habe diesen Preis erhalten, obwohl ich immer wieder kritisch über die Nationalbank berichtet und auch die Bank Austria nicht geschont habe. Danke für Ihr liberales Medienverständnis, das ist nicht selbstverständlich – in Zeiten wie diesen schon gar nicht.  

Ich habe Herrn Professor Knapp noch gut gekannt und sehe ihn jetzt wieder genau vor mir. Ich eine Jungjournalistin, er  der unangefochtene Doyen des österreichischen Wirtschaftsjournalismus. Wenn er einen für eine Arbeit gelobt hat, war das die  höchste Auszeichnung. Er hielt aber auch nicht mit Kritik zurück. Da wusste man sofort, dass man kein Ruhmeswerk des Wirtschaftsjournalismus verfasst hatte und einseitiger Information auf den Leim gegangen war.  Das nächste Mal besser, war die Devise.  

Prof. Knapp war vor allem eines – er war unbestechlich. Wahrheit und Faktentreue, das war sein oberstes Gebot, auch wenn es für die Betroffenen noch so unbequem war. Bewaffnet mit Unmengen an Tabellen, Zahlenwerken und Berechnungen, erklärte er im ORF  und in deutschen Sendern einer breiten Öffentlichkeit die kompliziertesten Zusammenhänge, diskutierte mit Politikern, Regierungsmitgliedern und Interessensvertretern,  etwa den Sozialpartnern, Bankern und Unternehmern. 

Prof. Knapp war ein brillanter Analytiker. Er entlarvte innerhalb weniger Minuten, Schaumschläger, Selbstverkäufer und Verdreher von Tatsachen gnadenlos. Seine Publikation, die Finanznachrichten, die er mit einer kleinen, hervorragenden Redaktion führte, waren bei den Einen gefürchtet, die Anderen warteten sehnsüchtig auf die nächste Ausgabe. Um beispielsweise zu erfahren, wie es um die Staatsfinanzen wirklich stand, was eine Steuerreform brachte oder nicht und wie es hinter einer Bankbilanz tatsächlich aussah. Heute würde man sagen, Prof. Knapp war der größte Feind von Fake News, den Ausdruck gab es damals freilich noch nicht, und ein leidenschaftlicher Verfechter des Qualitätsjournalismus

Es war damals aber vielleicht etwas leichter als heute. Die Qualitätsmedien erodieren in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Digitalisierung überrollt die traditionellen Medien, die Einnahmen – Inserate und Verkaufserlöse – brechen weg. Wenn aber die wirtschaftliche Basis eines Unternehmens geschwächt ist, wird es anfälliger für Interventionen von außen.

Politiker haben immer interveniert. Durch Sekretäre, Pressesprecher  und Kabinettsmitarbeiter aller Art. Ging’s ums Eingemachte, griff der Chef oder die Chefin selbst zum Telefon, um aus ihrer Sicht unbotmäßige Berichterstattung in die Schranken zu weisen und ihnen genehme Inhalte verbreiten zu lassen. Das ist nichts Neues.

Heute allerdings haben wir eine ganz andere Qualität und Härte von Interventionen, die Medienstäbe von Regierungsmitgliedern und Parteien sind größer als viele Redaktionen. Kritischen Medien, die sich der Message Control widersetzen,  wird mit dem Entzug von Inseraten und Informationen gedroht, folgsame Medien werden belohnt.  Der Boulevard wird unverhältnismäßig stark gefüttert. Und kritische Journalisten werden, wie wir jetzt wieder miterleben konnten, persönlich attackiert und diffamiert.

 

Aber  es geht nicht nur um die Politik. Auch große Unternehmen setzen ihre Marktmacht wesentlich ungenierter ein. Eine Meldung,  deren Relevanz höchstens eine Kurznotiz  wert ist, wird dann zu einer Doppelseite aufgeblasen.  Man kann es sich nicht leisten, Inserenten oder gar Großinserenten zu verlieren oder versucht durch Anbiederung, die den Lesern gegenüber nicht als kommerzieller Inhalt deklariert ist, welche zu bekommen.  Manche Medienunternehmer haben es dabei zur Meisterschaft gebracht.  

All das geht zu Lasten der Kunden, der Leser. Und es geht zu Lasten der Journalisten. Es macht mich traurig, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen jungen Menschen heute davon abraten, in den Journalismus zu gehen. Für mich ist Journalismus immer noch ein Traumberuf, aber ich verstehe, wenn die Skepsis überwiegt.  

Die Schere im Kopf, den vorauseilenden Gehorsam, hat es immer gegeben, da gibt es nichts zu beschönigen. Doch beides  ist größer geworden. Wer um seine Existenz fürchtet, hat oft Angst und ist williger. Ich darf dazu meinen Herausgeber, Dr. Helmut Brandstätter, zitieren, der vergangene Woche in seiner Rede zum Ari-Rath-Ehrenpreis, Journalisten dazu aufrief, keine Angst zu haben. 'Ich habe keine Angst – wir haben keine Angst', nur so können wir dagegen halten.

Der KURIER hat bis heute eine solide Eigentümerschaft, die Qualitätsjournalismus hoch hält und der Mannschaft die Ressourcen dafür  gibt und sie vor Interventionen schützt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken. Ich hoffe, das bleibt so. Denn niemand kann sagen, wie  sich Mehrheitsverhältnisse in Medien in den nächsten Jahren verändern und was die Folgen sein werden.  

Wir brauchen aber auch ihre Unterstützung. Hier ist ein Teil der österreichischen Wirtschaftselite versammelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihnen die Zukunft des Qualitätsjournalismus egal ist. Was der Boulevard bis jetzt gezeigt hat, das war erst der Anfang. Es geht noch viel schlimmer, glauben Sie mir.  

Zum Abschluss möchte ich mich noch ganz besonders bei meinem Mann bedanken, Herrn Prof. Hans-Jürgen Pollirer, der mich immer, und ich betone, immer,  vorbehaltlos unterstützt hat. Ich befürchte, es ist auch nicht ganz leicht, mit einer Journalistin verheiratet zu sein."