MEDIENENQUETE DER BUNDESREGIERUNG: THURNHER

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Kultur Medien
12/23/2021

"Falter"-Satire mit entsetzten Reaktionen - Herausgeber spottet

"Es geht in diesem Bild nur darum, Leute zu verarschen, die ihrerseits das Bild der Familie und vieles andere missbraucht haben, um das Publikum zu verarschen."

Die Wiener Stadtzeitung Falter ist in einen kräftigen Shitstorm geraten, als die neue als Satire gedachte Beilage „Best of Böse“ veröffentlicht wurde. Der Presserat wird sich des Themas nach zahlreichen Beschwerden annehmen.

Unter anderem von den Grünen: Frauensprecherin Meri Disoski, drückte das so aus: „Als einzige Frau, mit entblößter Brust, wird Susanne Thier, Lebensgefährtin von Sebastian Kurz, gezeigt. Auf eine Mutterrolle festgelegt, in sexualisiertem Zusammenhang, einzige Privatperson in Runde männlicher Politiker.“ Abgesehen davon sei mit Thier eine Privatperson betroffen. Disoski beschwerte sich gemeinsam mit der Mediensprecherin Eva Blimlinger beim Presserat.

Auch Justizministerin Alma Zadic kritisierte die Darstellung: "Auch Satire hat ihre Grenzen", schrieb sie auf Twitter. "Bei der sexistischen und herabwĂĽrdigenden Darstellung einer Privatperson hat sie diese weit ĂĽberschritten."

Von der SPĂ– meldet sich am Donnerstag auf KURIER-Anfrage die Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner zu Wort: "Das Falter-Cover ist sexistisch. Keine Frage, denn wieder einmal wurde eine Frau lächerlich gemacht, obwohl die Satire die Männer treffen sollte." Grundsätzlich, so Holzleitner, brauche es mehr Sensibilität in der gesamten Medienlandschaft, wenn Frauen von sexuellen Ăśbergriffen in den eigenen Redaktionen betroffen seien, oder auch bei der Berichterstattung vor Ort. Und: "Den Heuchlern sei gesagt, Frauen erleben Sexismus täglich, ĂĽberall."

"Falter"-Herausgeber spottet

Der Falter selbst reagierte via Kolumne: Herausgeber Armin Thurnher verteidigte die Darstellung Thiers und verweist auf Inszenierungen rund um Kurz und dessen Familienleben. "Es geht in diesem Bild nur darum, Leute zu verarschen, die ihrerseits das Bild der Familie und vieles andere missbraucht haben, um das Publikum zu verarschen. Es geht darum, Leute mit einer drastischen Inszenierung zu verarschen, die uns vier Jahre lang mit drastischen Inszenierungen verarscht haben!"

Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell rechnete vor, wie oft Susanne Thier medial erwähnt worden ist, um zu beweisen, dass sie keine Privatperson sei. "Susanne Thier kam in den letzten 4 Jahren in über 600 Artikeln vor, weil sie Kurz im Wahlkampf und bei Parteiveranstaltungen begleitet hat."

Die nackte Brust

Auf einem optisch der Freizeit nachempfundenen Cover des Heftes fand sich eine stilisierte Bibelszene mit dem zurückgetretenen ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz und dessen Lebensgefährtin, Susanne Thier. Die beiden waren jüngst Eltern geworden, was den Falter zu einer Stillszene animierte, die für heftige Kritik sorgte: Thier wird mit entblößter Brust dargestellt, die sie zwischen den Fingern hält. „Geilzeit“ lautet der imaginäre Titel des Covers. Die Illustration baut auf einem Gemälde von Jacob Jordaens (1616) auf.

Harsche Verurteilungen

Der Erscheinungstag war dominiert von harscher Kritik: ORF-Anchor und Falter-Intimus Armin Wolf etwa zeigte sich auf Twitter kritisch: „Ich bin als Falter-Fan wirklich erstaunt, dass es in der Redaktion nicht genügend Leute gibt, die bei so was sagen: „Das kann nicht euer Ernst sein. Wir machen hier keine Maturazeitung aus den 1980ern.“

Die missglückte Darstellung einer Jungmutter vereinte Kritiker über die Parteigrenzen hinweg: „Widerwärtig, unverständlich, deplatziert“, urteilte der ehemalige SPÖ-Medienminister und heutige Wohnbaumanager Thomas Drozda etwa. Die amtierende ÖVP-Medienministerin Susanne Raab sparte ebenfalls nicht mit harten Worten: „Dieses Cover ist sexistisch und geschmacklos. Dass hier völlig unbeteiligte Privatpersonen in die Öffentlichkeit gezogen und dort bloßgestellt werden, überschreitet eine Grenze.“

Journalisten posten

Im Falter selbst nimmt man die Grenze zwischen Satire und redaktionellem Produkt nicht so genau, wie sich auf Social Media zeigte: Sowohl Falter-Chefredakteur Florian Klenk als auch Politik-Redakteurin Barbara Toth posteten das Cover mit dem verfremdeten Gemälde.

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