Martynova: Der Ausflug in die Prosa hat sich gelohnt
Die aus Sibirien stammende Autorin Olga Martynova hat am Sonntag den 36. Bachmann-Preis gewonnen. Ihr Ausflug in die Welt der deutschsprachigen Prosa hat sich für die 50-Jährige also gelohnt. Martynova ist Essayistin, arbeitet auch journalistisch, bekannt wurde sie aber in erster Linie als Lyrikerin in russischer Sprache. Seit sie 1991 nach Deutschland übersiedelt war, habe sie sie am Klagenfurter Wettbewerb teilnehmen wollen, verriet die Autorin nach der Preisverleihung.
Olga Martynova wurde am 26. Februar 1962 in Dudinka in Ostsibirien geboren. Sie wuchs im damaligen Leningrad auf, studierte Russisch und Literatur. Nach dem Ende der Sowjetunion zog Martynova mit ihrem Ehemann und dem 1988 geborenen Sohn nach Deutschland. Seither lebt sie in Frankfurt am Main, viele ihrer Beiträge aus deutschsprachigen Periodika sind ins Englische, Polnische, Slowakische, Bulgarische, Dänische, seit neuestem auch ins Russische übersetzt worden. Sie schreibt unter anderem für die "Neue Zürcher Zeitung", für "Die Zeit" und die "Frankfurter Rundschau". Ihre russischen Gedichte sind auch in deutscher, englischer, italienischer, albanischer und französischer Sprache erschienen.
"Die Juroren sind ja eigentlich meine Kollegen, sie sind ja auch alle literarisch bzw. journalistisch tätig", meinte Martynova. Sie wolle sich bei den Kollegen auch ganz herzlich bedanken. Sie sei überrascht und "sehr dankbar" für die Auszeichnung. Warum sie seit ihrer Übersiedelung in den Westen zum Bachmann-Wettbewerb wollte, begründet sie so: "Weil mich Ingeborg Bachmann so sehr interessiert, sie hat ja ebenfalls sowohl Lyrik als auch Prosa geschrieben."
Das Preisgeld von 25.000 Euro will sie "ins Schreiben investieren", ihr Wettbewerbstext "Ich werde sagen: Hi!" sei ein Kapitel aus einem Roman, an dem sie gerade arbeite. Diesen will sie nun fertigstellen, sie bleibt aber weiterhin Essayistin und Lyrikerin. "Ich werde sicher nicht jetzt nur noch Prosa schreiben." Ihr Leben werde sich durch den Preis nicht groß verändern, "aus dem Alter bin ich schon heraußen".
Die Parallelen zwischen Martynova und ihrer Vorgängerin Maja Haderlap, die im vergangenen Jahr gewonnen hat, sind überraschend. Beide schreiben Lyrik in einer slawischen Sprache und wechseln für die Prosa ins Deutsche. Der größte Unterschied ist wohl, dass Martynova bis zu ihrem Wechsel nach Deutschland die Sprache nicht beherrschte. Dass die Lyrik der Prosa guttut, scheint mit der diesjährigen Entscheidung jedenfalls erneut untermauert.
Matthias Nawrat gewinnt den zweiten Peis
Der deutsche Autor Matthias Nawrat holte sich beim Lesewettbewerb in Klagenfurt den zweiten Preis. Er erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis für seine Geschichte über eine Familie, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Altmetallen bestreitet und vom Auswandern nach Neuseeland träumt.
Der 3sat-Preis (7.500 Euro) ging an die deutsche Autorin Lisa Kränzler für ihre Geschichte über ein junges Mädchen, das vom Kindergartenalter langsam in die Pubertät gleitet. Juror Hubert Winkels, der Kränzler nominiert hatte, gab bei der Laudatio bekannt, dass der Lektor Kränzlers, der mit nach Klagenfurt gekommen war, noch vor Beginn des Wettbewerbs gestorben ist. Die Autorin bewältigte die Belastung, mit dieser Hypothek in die Lesung zu gehen, aber souverän.
Den mit 5.000 Euro dotierten
Ernst-Willner-Preis holte sich
Inger-Maria Mahlke. Der Publikumspreis in der Höhe von 7.000 Euro, in diesem Jahr von der BKS-Bank gestiftet, ging an die Niederösterreicherin Cornelia Travnicek, auch sie hatte eine Jugend-Geschichte eingereicht.
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