┬ę TRAVIS SHINN PHOTOGRAPHY

Kultur
01/25/2021

Martin Gore solo: Experimente mit dem Heulen der Affen

Der Songwriter von Depeche Mode hat seine Freitag erscheinende EP "The Third Chimpanzee" den Primaten gewidmet.

von Brigitte Schokarth

Schon in den 90er-Jahren las Martin Gore das Buch "Der dritte Schimpanse" von Jared Diamond. Jetzt hat der Keyboarder, Gitarrist und Songwriter von Depeche Mode seine kommenden Freitag erscheinende Solo-EP danach benannt.

Mit "The Third Chimpanzee" liefert der 59-j├Ąhrige Brite f├╝nf experimentelle Elektronik-Tracks, die an Industrial erinnernde Sounds zu atmosph├Ąrischen, fremdartigen Klanglandschaften verweben, die zwar Gores Gesang, aber keine Texte transportieren.

"F├╝r den ersten Track, den ich f├╝r die EP aufgenommen habe, habe ich meine Stimme genommen und mit dem Synthesizer stark verfremdet", erkl├Ąrte Gore der Radiostation Worldwide FM. "Herausgekommen ist etwas, das so gar nicht menschlich klang, und mich mehr an das Geheule von Primaten erinnert hat. Weil ich die Howler-Affen kenne, habe ich den Song ,Howler┬┤genannt. Als ich diesen manipulierten Sound meiner Stimme dann auch f├╝r einen weiteren Track verwendet habe, dachte ich, ich kann dieses Thema auch auf alle anderen Songs anwenden und allen Affen-Namen geben."

So hei├čen die Tracks "Mandrill" oder "Vervet" (S├╝dliche Gr├╝nmeerkatze). Auf den Albumtitel kam Gore aber erst sp├Ąter. "Ich habe mich dann an dieses Buch von Jared Diamond erinnert", erz├Ąhlt er. "Darin bezeichnet er die Menschen als die dritten Schimpansen. Da machte es Sinn, den Titel f├╝r die EP zu nehmen, weil ich als Mensch schlie├člich auch einer der dritten Schimpansen bin. Die Idee dabei war aber auch, dass der Titel die Trennlinie zwischen Mensch und Affe verschwommen erscheinen l├Ąsst. Das hat mir gefallen, denn manchmal kann man schon das Gef├╝hl haben, dass wir Menschen in der Evolution noch nicht sehr weit gekommen sind."

Aber Song- und Album-Titel dem Affenthema zu widmen, war Gore noch nicht genug. Er erinnerte sich daran, dass es malende Affen gibt, suchte im Internet und fand eine Primaten-Auffangstation in Kanada. "Sie haben einen Kapuziner-Affen namens ,Pockets Warhol┬┤, der malt. Ich habe sie kontaktiert, und sie waren sofort davon angetan, Pockets dazu zu bringen, mir das Cover zu malen."

Die Corona-Krise hat Gore bis jetzt gut ├╝berstanden. Er lebt seit vielen Jahren im kalifornischen Santa Barbara, geht mehrmals die Woche raus zum Joggen, ist sonst aber viel zu Hause. Dort ist er aber ÔÇô trotz Heimstudio ÔÇô weniger kreativ, als er es sich w├╝nschen w├╝rde. "Man sollte denken, dass man extrem kreativ wird, weil man viel Zeit hat. Aber ich habe 2020 nicht allzu viel gemacht, weil dieser Stillstand, wenn sich ein Tag wie der n├Ąchste anf├╝hlt, einfach nicht inspirierend ist."

Was das f├╝r das n├Ąchste Depeche-Mode-Album (es war lose f├╝r 2021 geplant) und eine anschlie├čende Tour bedeutet, l├Ąsst Gore offen. "Im Moment ist es unm├Âglich, irgendetwas zu planen. Was jetzt mit den Impfungen passiert, ist vielversprechend. Aber noch wei├č keiner, wie lange es dauert, die notwendigen Durchimpfungsraten zu erreichen. Es braucht so viel Planung, wenn wir auf Tour gehen, dass es dumm w├Ąre, das anzugehen, wenn man nicht wei├č, ob es passieren kann."

Um diesen Artikel lesen zu k├Ânnen, w├╝rden wir Ihnen gerne die Anmeldung f├╝r unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierf├╝r keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und ├╝berall top-informiert

Uneingeschr├Ąnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.