Marsimoto ist das Alterego von Rapper Marteria.

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Marsimoto: Live in der Wiener Arena
12/02/2015

Marsimoto: Live in der Wiener Arena

Das außerirdische Alterego von Rapper Marteria zelebrierte die Monotonie.

Marsi ist ein Außerirdischer, der in Berlin gelandet ist, unfassbar viel kifft, die Welt mit ganz anderen Augen sieht und mit Tieren sprechen kann.“ So beschrieb Rapper Marteria im KURIER-Interview sein Alter-Ego Marsimoto. Und wies darauf hin, dass ihn viele Künstlerkollegen um die Möglichkeit beneiden, damit rauszugehen, „wahnsinnige Sachen“ zu quatschen, und unabhängig von den eigenen, persönlichen Geschichten, die er als Marteria erzählt, Spaß zu haben.

In der ausverkauften Wiener Arena hatten Dienstagabend 1000 Fans mit ihm denselben Spaß: Kiffen, den Oberkörper zu den Beats wiegen, Hände in die Höhe werfen und die Luft abklatschen, noch mehr kiffen.

Es ist schon eine eigene Welt. Dieser quirlige Typ in seinem goldgrünen Raumanzug, mit Kapuze Maske und der hochgepitchten Stimme auf der Bühne, der süßliche Duft überall im Auditorium. Eine, die für Marsi-Fans prächtig funktioniert.

Infiziert

Nüchtern konsumiert ist das Universum des Marsianers aber auf die Dauer eines ganzen Konzertes doch etwas eintönig. Die Beats, ja, die sind schon abwechslungsreich. Sie stolpern, surren, rattern und stampfen. Gitarrist, Bassist und Keyboarder setzen wenige, aber wichtige Akzente - so, dass Marsis Hip-Hop-Basis mal von Reggae, mal von wuchtigem Metal und dann wieder von Pop infiziert klingt.

Doch das, was Marsimoto, der bürgerlich Marten Laciny heißt, in seinen Raps drüberlegt, hat sich spätestens bei der Hälfte des Konzertes abgenützt. Es läuft auf einem konstant gleichen Energie- und Ton-Level, kennt keine Dynamik in der Intensität, keine impulsiven Höhepunkte und emotionalen Variationen. Gefühls-Spitzen lösen sich bei Marsi im Rauch auf.

Ähnlich ist es mit den Inhalten: Das politisch-soziale Gewissen, das Marteria ohne Maske zeigt, ist wie weggeblasen. Es geht um Party, Pinguine im falschen Körper und immer wieder das Kiffen - mit Freunden, mit Fans, sogar mit einem Nazi. Dazu „Absinth“ trinken, die Anarchie beschwören und der „Halloziehnation“ huldigen. Und immer wieder das Statement „Ich bin Marismoto!“ Schon klar. Wer das nicht wüsste, wäre nicht hier.

Es ist eine Monotonie, die zwar keine Leidenschafts-Stürme entfachen kann, aber doch Wirkung zeigt. Irgendwann wippt der Körper wie hypnotisiert im Takt mit, zieht es die Hände von selbst in die Höhe. Es macht Spaß. Aber zum High werden reicht diese Musik alleine dann doch nicht aus.

KURIER-Wertung:

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