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Museen
11/25/2013

MAK einigt sich mit Ex-Direktor Noever

Vergleich: Noever ersetzt Schaden von 104.000 Euro und erhält rund 231.000 Euro brutto.

von Georg Leyrer

Am Ende müssen alle zahlen: Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) und Ex-Direktor Peter Noever haben sich in einem Arbeitsgerichtsprozess auf einen Vergleich geeinigt.

  1. Noever begleicht den von ihm dem Museum verursachten Schaden in Höhe von 104.000 Euro.
  2. Dafür wird die fristlose Entlassung Noevers rückwirkend in eine einvernehmliche Vertragsauflösung umgewandelt.
  3. Noever erhält deshalb Abfertigung und Gehaltsansprüche in der Höhe von insgesamt 231.000 Euro brutto.

Damit endet nicht nur der Arbeitsgerichtsprozess zwischen Noever und dem MAK, sondern auch einer der größten Kulturaufreger der vergangenen Jahre.

Feiern

Noevers 1986 begonnene Ära im MAK endete 2011, nachdem vielfältige Vorwürfe laut geworden waren: Noever habe unter anderem private Geburtstagsfeiern dem MAK verrechnet, hieß es damals. Ursprünglich war das MAK von 172.000 Euro Schaden ausgegangen.

Der Rechnungshof wurde aktiv. In seinem Bericht über das MAK listete er vielfältige Mängel auf, darunter falsche Besucherzahlen, hohe Reisespesen, eine Explosion der Reisekosten um 785 Prozent seit der Ausgliederung des Museums, sorglose Abrechnung von Subventionen und Versäumnisse bei der Lagerung von Sammlungsbeständen.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Noever, der durch eine Ausgleichszahlung „tätige Reue“ geleistet hatte, wurde im November 2011 von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Noever hatte inzwischen angekündigt, die Vorwürfe gegen ihn vor Gericht anfechten zu wollen. Bei dem Arbeitsgerichtsprozess gegen das MAK wollte Noever Ansprüche in der Höhe von mehr als 400.000 Euro geltend machen.

Kosten

Das MAK hat nun „auf Anraten der Anwälte“ und nach Befassung des Kuratoriums und des Kulturministeriums einem Vergleich zugestimmt. Dieser „verhindert ein zu erwartendes langwieriges Gerichtsverfahren mit damit verbundenen hohen Prozesskosten“, hieß es in einer Aussendung des Museums.

Im Ministerium und im MAK wollte man den Vergleich auf KURIER-Anfrage nicht weiter kommentieren.

Dass sich der vom Museum erkannte Schaden von 172.000 auf 104.000 Euro reduziert hat, heißt, dass Noever weitere 116.000 Euro wieder auf der Habenseite verbuchen kann: Noever hatte im Zuge der „tätigen Reue“, die ihn vor allfälliger strafrechtlicher Verfolgung schützte, 220.000 Euro auf einem Konto hinterlegt.

Diese Summe sollte dazu dienen, den dem MAK verursachten Schaden (und etwaige erst später aufgetauchte weitere Schadenssummen) zu begleichen. Über die Differenz zur tatsächlichen Schadenssumme kann Noever nun wieder frei verfügen.

Reaktion

„Der Vergleich lässt die Frage offen, warum ein solcher überhaupt notwendig war“, kritisiert der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, gegenüber dem KURIER die Einigung. Das MAK und das Kulturministerium „haben eine Zahlung auf Kosten der öffentlichen Hand einer lückenlosen Aufklärung vorgezogen“, so Zinggl, der einer der schärfsten Kritiker Noevers war. Das Kuratorium des MAK und das Kulturministerium wollen „offenbar lieber ihre Ruhe haben“.

Einvernehmlich abgehakt

Es wurde also, wie so oft hierzulande, ein Mittelweg gefunden: Ein Direktor wurde zum Ex-Direktor, und das geschah natürlich einvernehmlich (wenn auch nur rückwirkend).

Ein paar Hunderttausend Euro, eh nur, werden hin und her überwiesen, und am Ende bleibt über, dass eigentlich nichts passiert ist. Die Handelnden haben ihre Rolle ausreichend gut gespielt: Der Rechnungshof hat seine Pflicht erfüllt, die Opposition hat ihre Pflicht erfüllt, das MAK-Kuratorium hat seine Pflicht erfüllt, die Kulturministerin hat ihre Pflicht erfüllt, die Anwälte haben ihre Pflicht erfüllt. Passt schon, geht schon weiter.

War da was? Nein, da war nichts. Alle dürfen sich irgendwie im Recht fühlen. Der Rest wurde einvernehmlich abgehakt.

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