© © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
06/09/2021

"Macbeth" mit Netrebko und Salsi: "Was hat es denn für einen Sinn, nur schön zu singen?“

Wiener Staatsoper. Luca Salsi über die Premiere von Verdis „Macbeth“.

Von Susanne Zobl

Für Luca Salsi steht dieses Jahr im Zeichen von „Macbeth“. Am Donnerstag (10. Juni) singt der italienische Bariton von Weltrang die Premiere von Giuseppe Verdis Oper an der Seite von Anna Netrebko an der Wiener Staatsoper. Im September eröffnet er in dieser Partie die Saison in Chicago und im Dezember an der Mailänder Scala.

Von allen Verdi-Rollen schätzt er den schottischen General am meisten. „Ich liebe Rollen, die mir die Möglichkeit geben, viel zu interpretieren. Macbeth ist ein Krieger, in der Schlacht ist er tapfer und stark und schreckt nicht davor zurück, jemanden zu töten. Privat aber ist er schwach, da ist es seine Frau, die ihm auf die Sprünge hilft. Nur, in dieser Produktion sieht man seine starke Seite nicht“, sagt Salsi.

Denn Barrie Kosky fokussiert in seiner Inszenierung, die mit einer fast leeren Bühne auskommt, das Geschehen ganz auf das Macbeth-Paar. „Am Anfang hatte ich Zweifel, aber dann erkannte ich, wie viele Möglichkeiten sich da ergeben, diese Rolle wirklich zu interpretieren. Da muss man authentisch sein, sonst ist alles verloren. Ich bin mir sicher, dass das auch auf das Publikum eine sehr starke Wirkung haben wird“, führt er aus.

Spielwiese

Eine ideale Spielwiese also für Salsi und seine Bühnenpartnerin Anna Netrebko. „Anna und ich haben eine sehr ähnliche Auffassung über das Theater. Wir wollen uns ausdrücken und schauspielen“, so Salsi. Und weiter: „Ich habe nichts gegen moderne Regie. Wenn sie intelligent ist und nicht gegen das Libretto und gegen die Musik geht, akzeptiere ich alles. Aber wenn ein Regisseur will, dass ich etwas mache, was gegen die Musik ist, sage ich Nein. Ich gehe nie Kompromisse ein. Die eigentliche Revolution heute ist doch, dass man Sänger ihre Rollen wirklich interpretieren lässt. Was hat es denn für einen Sinn, nur schön zu singen?“

Während des Lockdowns konnte er in Mailand im Archiv von Ricordi, Verdis Verleger, die Originalpartituren studieren. Nur noch die Opern „Alzira“, „Giovanna d’ Arco“, „Vespri Siciliani“ und „Stiffelio“ fehlen Luca Salsi in seinem Verdi-Repertoire. Das Gespräch kommt auf die Theaterschließungen. „Das war absolut nicht notwendig. Da gab es heftige Diskussionen in Italien. Ich war jeden Sonntag in der Kirche, da durften die Leute hingehen. Aber ins Theater nicht.“

Jetzt sei er froh, dass diese Zeit vorbei ist und auch das Streaming. Das hat er nur gemacht, weil er etwas arbeiten musste. „Bei den Übertragungen ins Internet geht die Seele der Stimme verloren. Und bei den Auftritten im leeren Saal fehlt der Austausch mit dem Publikum“, blickt er zurück. Jetzt hofft er, dass die Häuser bald wieder voll belegt werden können.

Träume

Spätestens bis 7. Dezember, wenn er mit Netrebko in Mailand die Saison eröffnet. „Da sieht die ganze Welt zu“. Und seine Pläne für Wien und Salzburg? Nächste Spielzeit kommt „Macbeth“ wieder und auch für die nächsten Jahre sei einiges in Planung. Bevor sich das Gespräch zum Ende neigt, verrät er: „Ich habe einen Traum. Mein Problem ist aber, dafür braucht man eine sehr gute deutsche Aussprache. Aber das möchte ich singen“, sagt er und klickt auf seinem Handy auf Youtube. Wie aufs Stichwort ertönt Wotans Abschied „Leb wohl“. Also Richard Wagner!

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