Lesungen bei "Rund um die Burg"

Wann Molden, Klenk, Gunkl und Co aus ihren Büchern lesen werden, erfahren Sie hier.

Gertraude Portisch – Als Traudi Reich hat sie Kinderbücher geschrieben, mit ihrem Mann Hugo hat sie uns die Toskana nähergebracht („Die Olive und wir“). Hier beschreibt sie die liebevolle Religiosität ihrer katholischen Großmama und ihre schwierige Reise zum eigenen Glauben. Frau Portisch hat sich die 10 Gebote nach ihrer Erfahrung mit der wunderbaren Großmama neu formuliert. Lesung Freitag, 17.30 Uhr. Peter Rosei – Der Anti-Star der österreichischen Literatur beobachtet im neuen Roman „Geld!“ (Residenz Verlag) mehrere Aufsteiger, die nur sich selbst sehen und immer glatt ausschauen „wie eine Wasserlache gleich nach dem Regen“. Rosei, eben 65 geworden, puzzelt ein Bild, welches heißt: Haltlos, bodenlos, respektlos. Er macht kein Drama daraus, aber er macht bewusst: So muss Wirtschaft nicht sein. Lesung am Freitag um 21 Uhr. Michael Stavarič – Wenn uns einer erklären kann, was ein Gieraffe ist und eine Klatschstelze oder ein Schlundegel – dann ist es Stavarič. Auch wenn er manche beim Lesen ratlos macht: Seine Sprache hat Magie. Und Ironie. Er wird am Samstag um 14 Uhr „Nadelstreif & Tintenzisch“ (Haymon Verlag) vorstellen. Schade nur, dass man dabei nicht sehen kann, wie Deborah Segl die Viecher gezeichnet hat. Dietmar Grieser – Wie immer liest sich ein echter Grieser wie eine Plauderei, und er erfreut wie vor 40 Jahren, als er uns „Schauplätze der Weltliteratur“ ins Haus brachte. Diesmal outet er sich: Eigentlich heißt er Horst Dietmar Grieser. Aber den Horst ertrug er nicht. In „Das zweite Ich“ (Amalthea) geht es um Pseudonyme. Um Mutter Teresa (Bojaxhiu), Kinski (Nakszyński), Meinrad (Moučka) ... Lesung am Freitag, 17 Uhr. Georg Markus – In seinem neuen Buch „Schlag nach bei Markus“ (Amalthea) liefert Georg Markus ein österreichisches Nachschlagewerk der besonderen Art: Von „A“ wie Amadeus bis „Z“ wie Zarte Bande erzählt er 400 Geschichten am Rande der großen Geschichte: Etwa, dass Mozart einmal kurz im Gefängnis saß. Dass es einen katholischen Bischof mit sechs Kindern gab. Dass der so bescheidene Kaiser Franz Joseph bis zu 1000 Diener hatte. Dass Kanzler Schuschnigg bei der eigenen Hochzeit nicht dabei war. Dass Kardinal König eine junge Frau als seine Gemahlin ausgab. Dass sich die Wiener Philharmoniker weigerten, Strauß-Melodien zu spielen. Das Vorwort stammt von William Shakespeare. Der Markus macht immer solche Sachen. Samstag um zwölf Uhr liest er; und am Sonntag beginnt die „Schlag nach bei Markus“-KURIER-Serie. Ernst Molden – Der Kolumnist der KURIER-Freizeit begann seine Laufbahn als Journalist, wurde als Romancier bekannt und verfiel dann dem Liedermachen. Wobei es auch enge Zusammenarbeit mit Willi Resetarits gab. Nun schließt sich der Kreis: Der Verlag Deuticke brachte seine Songtexte als „Liederbuch“ heraus. Liest man Moldens Songtexte als Gedichte, öffnen sich bilderreiche, mysteriöse Welten. Das „Liederbuch“ zeigt auch sehr schön, wie sich der 1967 in Wien geborene Molden entwickelte: Von hoch artifiziellen Sprachgebilden über verführerisch andeutungsreiche Kurzfilme bis hin zu sparsamen Dialekttexten in der Tradition von H. C. Artmann und des Blues. Freitag um 22 Uhr wird er nicht nur lesen, sondern auch singen. Dann schlendert er zwischen Blues und Wienerlied, Indie-Rock und Chanson, als wäre alles eins. Ivan Ivanji – Er ist nicht Fisch und nicht Fleisch, einer, der sich kaum entscheiden kann – aber man versteht’s, man mag ihn: Der 82-jährige Ivan Ivanji zeigt in „Buchstaben von Feuer“ (Picus Verlag) am Freitag um 18.30 Uhr einen Ausschnitt aus dem Leben eines gewissen Siegfried Wahrlich – und damit ein ganzes Jahrhundert inkl. Zwischenkriegszeit, Hitler, Konzentrationslager, Gefangenschaft, DDR. Er gibt sich damit zufrieden, dass er funktioniert, dass er nicht hungert, dass es ihm besser geht als vielen. Ivan Ivanji begleitet ihn und kann bei dieser Gelegenheit eine Menge aus seinem eigenen Leben einbringen: Als Sohn einer jüdischen Ärztefamilie, geboren in der Vojvodina, überlebte er Auschwitz und Buchenwald. Er war Lehrer, Theaterdirektor, Dolmetscher für Tito und lebt in Wien bzw. Belgrad. Ludwig Laher – Auch der Name des 56-jährigen Oberösterreichers steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2011 – und sein Roman „Verfahren“ (Haymon Verlag), aus dem er Samstag um sieben Uhr lesen wird. Vorangestellt ist ein Zitat von Michel de Montaigne: „Man betrachte nur die Form der Gerechtigkeit, die über uns waltet. Ist sie nicht ein klarer Beweis von der menschlichen Verstandesschwäche?“ Laher schreibt über soziale Missstände. Seine Literatur ist dokumentarisch. Diesmal ist es die Asylpolitik, der er die Unmenschlichkeit beweist. Eine traumatisierte Kosovo-Serbin hofft auf den Neubeginn in Österreich, muss sich aber wie eine „Kriminaltouristin“ behandeln lassen. Im Buchtitel steckt einerseits das Asylverfahren, andererseits die verfahrene Situation. Gunkl – Als er kürzlich den Kleinkunstpreis „Prix Pantheon“ überreicht bekam, huldigte ihn die Jury mit der Bezeichnung „Wittgenstein unter den Kabarettisten“. Günther Paal alias Gunkl ist einer der vielen Höhepunkte von Rund um die Burg – und der einstündige Ausklang, Samstag um 16 Uhr. Zurzeit tritt er mit seinem zehnten Programm auf, „Die großen Kränkungen der Menschheit“. Zum Lesefest bringt er allerdings sein Buch „Tip des Tages“ (Amalthea Verlag) mit. Um die neue Rechtschreibung (zwei p) pfeift er sich nichts. Gunkl wird uns sagen, worüber man sich Gedanken machen kann, aber nicht muss. Zum Beispiel: „Unter Misteln sollst du nicht hüsteln.“ Oder: „Sollten Sie etwas zu tippen haben, versuchen Sie das Wort WERT einzubauen, das tippt sich so schön leicht.“ Ganz besonders wichtig ist: „Spülmittel mit dem ph-Wert 0 sollten Sie nicht mit nackten Fingern anfassen.“ Gerhard Rühm – 81 ist er geworden, der Mitbegründer der Wiener Gruppe (mit Friedrich Achleiner, der am Freitag um 19 Uhr liest, und H.C. Artmann, Konrad Bayer, Oswald Wiener). Ein Grenzüberschreiter als Schriftsteller als auch als Komponist und Zeichner. Wenn sich Gerhard Rühm Samstag um 15.30 Uhr auf die Bühne setzt, nimmt er „Lügen über Länder und Leute“ aus dem Ritter Verlag mit. Seine „vollständigen Erzählungen und Gedichte“. Experimentierkunst trifft Pointe: „sitz am tisch / kommt ein fisch / ist nicht frisch / weg ihn wisch“. Und wer kennt nicht Rühms Veilchen, das in die Hand des Gätners furzt? Von der scheißenden Tulpe ganz zu schweigen. Florian Klenk – Jetzt sind die Reportagen, wo sie hingehören. Nichts dagegen, dass sie zuerst im Falter standen, wo Klenk stellvertretender Chefredakteur ist. Aber der Journalist ist so nahe an Egon Erwin Kisch – gegen die Lügen der Welt –, dass diese Sammlung ins Bücherregal gehört. In „ Früher war hier das Ende der Welt“ (Zsolnay) geht es immer um Grenzen. Grenzen auf der Landkarte, Grenzen zwischen Arm und Reich, Grenzen im Kopf, denn man muss beklopft sein, wenn man glaubt, Mädchenhandel sei für die „Mädchen“ auch etwas Feines (Samstag, 13 Uhr). Alfred Komarek – "Zwölf mal Polt" (Haymon Verlag) ist Komareks Abschied von seinem Weinviertler Gendarmen, dessen Romanverfilmungen mit Erwin Steinhauer dem ORF höchste Quoten brachte. Zwölf Kurzgeschichten schließen die Lücken in Polts Leben. Eine menschlicher als die andere. Komarek ist 65 und gehört zu den stillen G’scheiten im Land. Es wird immer stiller bei ihm. Der Fernseher bleibt abgeschaltet, und im Radio dreht er den Ton ab, wenn Politiker reden, die er nicht hören will. Er dreht mehr ab als auf. Sein Polt, sagt er, würde verflachen, wenn er nicht aufhört, über ihn zu schreiben. „Er würde zum guten Bekannten verkommen, mit dem ich nur mehr Geschäfte mache.“ Lesung Samstag um 0.30 Uhr. Christian Gruböck – Einen Thriller, der die meiste Zeit über in den USA spielt, geschrieben von einem Wiener Polizeibeamten, der sich karenzieren ließ, um seine Großeltern zu pflegen – so etwas gibt’s nicht alle Tage. „Bis der Tod euch rettet“ (Wieser Verlag) ist ungemein spannend. Christian Gruböck, Jahrgang 1963, hat sich die Geschichte vom erzwungenen Glück bei seinem täglichen Laufen einfallen lassen. Es geht um einen Franzosen, der die Welt zum Guten verändern will. Und der gewaltige Verbrechen begeht, damit sich alle Menschen an seine neuen, an und für sich guten Regeln halten. Man hört beim Lesen nie auf, sich als Philosoph zu betätigen: Ist Terror gerechtfertigt für eine Welt ohne Krieg und Hass? Peter Heinisch - Na gut, es fällt ein Schuss, und insofern reicht das schon für die „Kriminacht“. Aber zunächst verfällt der 55-jährige pensionierte Postler Novak von einem Tag auf den anderen der Opernmusik. Er versinkt in „Tosca“ und „Zauberflöte“, bekommt sozusagen Gefühle, legt sich mit der Callas auf die Couch,und seine Frau, mit der er früher bestenfalls Tina Turner gehört hat, macht ihm deshalb das Leben sehr, sehr schwer. Dass sie ihm den CD-Player abschaltet, ist noch das Wenigste. Leichte Kost von Peter Henisch, könnte man sagen. Aber „Großes Finale für Novak“ ( Residenz Verlag) geht tiefer, als man anfangs glauben möchte. Es weckt Erinnerungen, Sehnsüchte, es schmerzt sogar – ein hinterlistiges Vergnügen. Mehr darüber am Samstag um 1.30 Uhr.

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(kurier) Erstellt am
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