Lotte Tobisch im Jahr 1996 beim Wiener Opernball.

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Kultur
10/19/2019

"Legende zu Lebzeiten": Reaktionen auf den Tod von Lotte Tobisch

Bierlein: "Ausnahmepersönlichkeit". Außenminister Schallenberg: Mit Tobisch "hat uns eine große Botschafterin der österreichischen Kultur verlassen".

"Mit dem Tod von Lotte Tobisch ist Österreich um eine Institution ärmer geworden. Als legendäre Organisatorin des Wiener Opernballs war sie weithin bewundert und geachtet.", sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen angesichts des Ablebens der am Samstag im Alter von 93 Jahren verstorbenen Opernball-Lady, Schauspielerin und Autorin.

"Ihr dynamisches und offenes Wesen, ihre klare aber verbindliche Art verschafften ihr Anerkennung und Respekt. Auch soziales Engagement bis ins hohe Alter zeichnete diese besondere Persönlichkeit aus. Wir alle, die wir Lotte Tobisch kannten und schätzten, werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren", so Van der Bellen.

"Überaus liebenswert"

Auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein würdigte die Verstorbene: "Mit Lotte Tobisch verliert Österreich nicht nur eine hervorragende Schauspielerin und Künstlerin, sondern eine Ausnahmepersönlichkeit, die sich mit ihrem kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Engagement um Österreich besonders verdient gemacht hat. Wir trauern um einen überaus liebenswerten Menschen und eine große Österreicherin".

Mit Tobisch "hat uns eine große Botschafterin der österreichischen Kultur verlassen", so auch Außen- und Kulturminister Alexander Schallenberg. Für den Minister hat die Grand-Dame des Opernballs "maßgeblich dazu beigetragen, Österreichs Renommee als Kunst- und Kulturnation vor allem in der schweren Nachkriegszeit mit aufzubauen. Sie wird eine Lücke hinterlassen, die nicht geschlossen werden kann."

Mit tiefer Trauer reagierte auch Neos-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger auf das Ableben von Tobisch: "Mit Lotte Tobisch ist eine großartige und kluge Frau mit so viel Esprit, Witz und Geist von uns gegangen. Ich bin sehr traurig über ihren Tod." Die ehemalige Schauspielerin hatte die Neos bei den Nationalratswahlen 2017 und 2019 unterstützt.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) strich u.a. ihr kulturelles, gesellschaftliches und soziales Engagement um Österreich hervor: "Wir trauern um einen überaus liebenswerten Menschen und eine große Österreicherin."

"Nie verletztende Schlagfertigkeit"

Der von Tobisch ins Leben gerufene Verein "Künstler helfen Künstlern" verabschiedete sich "in tiefer Trauer und großer Dankbarkeit" von der "Legende zu Lebzeiten", so Vizepräsidentin Gabriele Jacoby. Ihre "außergewöhnliche Popularität, die Lotte Tobisch in allen Schichten der Gesellschaft erlangt hat, verdankte sie ihrer authentischen nie verletzenden Schlagfertigkeit, ihrem Humor, ihrer Klugheit und nicht zuletzt ihrer fabelhaften Erscheinung und Eleganz", heißt es in einem Nachruf.

Lugner: "Meine liebste Opernball-Lady"

Auch Richard Lugner, dessen "Karrierestart" am Wiener Opernball in die Ära der Verstorbenen gefallen ist, meldete sich zu Wort: "Ich habe sie geschätzt und geliebt, es gibt ja verschiedene Arten von Liebe", sagte der Baumeister. Sie sei eine "tolle Frau von Format und Charakter gewesen, das muss man ihr lassen".

Unter Tobisch sei er nie ein Outlaw am Ball gewesen. Es sei ihre Meinung gewesen, dass es keine 4.000 feinen Leute am Opernball gibt. "Natürlich sagte sie damit auch, dass der Lugner kein feiner Mensch ist, aber andere halt auch", so Lugner. Zudem habe sie stets betont, dass er eine "Bereicherung für den Ball" ist und ihm auch stets eine gute Loge zugedacht. "Sie war absolut meine liebste Opernball-Lady", unterstrich der Baumeister.

Dass Tobisch ihn als "Wurschtel" bezeichnet hatte, hat ihr Lugner nicht verübelt. "Es war nicht böse gemeint, sie hatte eine pointierte Art", sagte Lugner.