© Sakher Almonem

Kritik
10/28/2019

"Le Sacre" in Linz: Tanz mit voller Wucht

Eine über weite Strecken überzeugende, neue Interpretation von „Le Sacre du Printemps“ (Von Silvia Kargl).

Mit voller Wucht kommt Mei Hong Lins neuer, zweiteiliger Tanzabend „Le Sacre“ für die von ihr geleitete Compagnie Tanzlin.z im Musiktheater Linz daher. Ausgezeichnete Tänzerinnen und Tänzer, eine über weite Strecken überzeugende, neue Interpretation von „Le Sacre du Printemps“ und eine mitreißende musikalische Umsetzung durch das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Poschner: Kein Wunder, dass diese Aufführung auch Tanzfans aus Wien lockt.

Der erste Teil zu „Metamorphosen“ von Richard Strauss überrascht nicht zuletzt durch die Umsetzung einer Komposition für 23 Solostreicher im Tanz. Eigentlich kein Stück, das sich auf ersten Blick für eine Choreografie eignet. Doch bei Mei Hong Lin und Markus Poschner ist das anders.

Besatzung

Lin lässt ihr Stück 1940 im vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Frankreich spielen. Nur mehr ein ramponierter Baum steht in der Landschaft (Ausstattung: Dirk Hofacker), darum formieren sich die Belagerten und begehren zunehmend gegen die Besatzer auf.

Manchmal erinnern die nahezu expressionistischen Posen des mit der Musik verschmelzenden Tanzes an Martha Graham, die Pionierin des Modern Dance. Im Mittelpunkt steht ein Paar, eine junge Französin und ein deutscher Besatzer, die sich ineinander verlieben. Diese Liebe hat in der von Brutalität und Repression geprägten Umgebung keine Chance.

„Vielleicht sehen wir uns in einer besseren Welt wieder“, sagte Richard Strauss ungefähr zur Entstehungszeit seiner „Metamorphosen“ zu den Wiener Philharmonikern. Dieser Perspektive auf eine „bessere Welt“ bleibt in diesem Ballett nur wenig Zeit.

Holocaust

Igor Strawinskys einstiges Skandalstück „Le Sacre du Printemps“ entstand 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Lin verlegt es in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Adam, inspiriert von Yoram Kaniuks „Adam Ben Kelev“, hat den Holocaust überlebt, seine Frau und Tochter wurden ermordet.

Geschickt führt Lin einen „Adam der Erinnerung“ ein, schafft zwei Ebenen der Choreografie, in der die Verstorbenen durch Träume präsent sind. Jede Tänzerin und jeder Tänzer bekommt ein spezifisches Bewegungsvokabular. Besonders getroffen ist ein Kind, hinreißend getanzt von Núria Gimenéz Villarroya, dessen unglaubliche Energien aus dem Leiden heraus zerstörerisch wirken. Am Ende opfert sich Adam, um diesem Kind ein Weiterleben zu ermöglichen.

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