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Trenklers Tratsch
11/03/2019

Kunst-Event mit Kaviar und höheren Töchtern

Moskauer Biennale: Mit Geld geht doch alles.

von Thomas Trenkler

Die Ankündigung hatte einiges erwarten lassen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst würde mit der Albertina eines der führenden Museen der Welt als Partner fungieren. Und auch die Beteiligten verhießen ein Kunstspektakel. Der prominente Opernregisseur Dmitri Tschernjakow sollte als Kurator fungieren und der russisch-deutsche Architekt Sergei Tchoban als Gestalter der zentralen Ausstellung in der Neuen Tretjakow Galerie.

Umso ernüchternder fiel die Eröffnung der achten Ausgabe aus. Auf einer Fläche, halb so groß wie ein Fußballfeld, gab es bloß etwas mehr als 50 Werke von 32 Künstlern zu bestaunen. Warum sie ausgewählt wurden und was sie verband: Wer wusste dies zu beantworten? Weder gab es Pressematerialien, noch gibt es einen Katalog. Tchoban gelang es zumindest, nicht den Eindruck der völligen Leere entstehen zu lassen.

Mit großem Enthusiasmus war Klaus Albrecht Schröder, der Direktor der Albertina, in das Auswärtsspiel gegangen. Und er bot dank der Sammlungen Batliner und Essl eine in der Tat hochkarätige Elf – mithin ein Drittel aller präsentierten Positionen – auf: Gerhard Richter, Neo Rauch, Georg Baselitz, Alex Katz und etliche Österreicherinnen, darunter Xenia Hauser und Sonja Gangl. Doch die internationale Kunst der letzten Jahrzehnte diente bloß dazu, die frische Ware der vornehmlich russischen Künstler aufzupimpen. Zwei Gemälde von Maria Lassnig wurden mit plumpen Skulpturen der saudischen Prinzessin Halla bint Khalid kombiniert, drei Schüttbilder von Hermann Nitsch mit flachen Großformaten von Natalia Sitnikova. Eigentlich eine Gemeinheit.

Dass die Sache einen Haken hat, hätte man sich eigentlich denken können. Die seit 2017 verantwortliche Präsidentin Julija Musykantskaja, die zuvor als Sekretärin von Kulturminister Wladimir Medinski gewirkt hatte und einen mächtigen Vater habe, war, wie die APA berichtete, im Vorfeld heftig kritisiert worden. Es gab sogar einen Boykott-Aufruf. Und Kasper König hatte das „fragwürdige Angebot“, die Biennale zu kuratieren, rundweg abgelehnt.

Zur Eröffnung kamen die österreichischen Künstler, darunter Valie Export sowie Muntean & Rosenblum, trotzdem angereist. Und manch einer konnte es kaum fassen. Der Kurator glänzte durch Abwesenheit.

Und dann, nach den Ansprachen, wurde ein symphonisches Werk von Nitsch uraufgeführt. Mit bloß neun Musikern. Die Klanggebilde behagten den vielleicht 300 Gästen nicht unbedingt: Spätestens im zweiten Satz flüchteten viele zu Schampus und Kaviar-Häppchen.

Kurze Zeit später entschwand eine Frau mit gut 20 Bodyguards im Schlepptau. Es handelte sich dabei um die Tochter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Älijew. Auch sie war (unter dem Künstlernamen Leyla) in der Schau vertreten. Mit Geld geht eben alles, dachte sich Ihr Tratsch-Partner. Aber er irrte wohl. Denn mit dem Brustton der Überzeugung sagte Schröder: „Das ist die beste Biennale, die ich jemals gesehen habe.“

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