Das Kulturjahr 2026 bringt viel Neues, große Jubiläen - und bittere Tränen
Das Johann-Strauss-Jahr ist vorbei, das Franz-Schubert-Jahr folgt erst (der Komponist starb 1828). Aber es gilt, die 100. Geburtstage von Marilyn Monroe, Miles Davis, Peter Zadek, Peter Alexander zu feiern – und besonders von:
100 Jahre Bachmann
Die große Schriftstellerin wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Deren Heimatstadt plant ein größeres Programm. Doch sie verfügt noch über kein beschlossenes Budget für dieses Jahr, und so sind, wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde, die 25.000 Euro Preisgeld für den von der Stadt gestifteten Bachmann-Preis noch nicht fixiert – just für die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur. Aber man versicherte, eine Lösung zu finden. Heuer wird der Film „Bachmann – Es war Mord“ von Regina Schilling herauskommen: Sandra Hüller schlüpft in die Rolle der Autorin.
2026 wird das Jahr des Andreas Babler (SPÖ): Der Vizekanzler darf mehrere wichtige Bestellungen vornehmen.
Denn Stella Rollig (65), seit Jänner 2017 Direktorin des Belvederes, gab bekannt, sich nicht um eine dritte Funktionsperiode zu bemühen (Bewerbungsfrist: 19. Jänner). Es braucht auch eine neue Leitung für die Nationalbibliothek. Johanna Rachinger wollte Ende 2026 aufhören. Doch im Sommer verunfallte sie tragisch, im November wurde, da sich die Hoffnung auf alsbaldige Genesung zerschlagen hatte, der Job ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endete am 30. Dezember. Babler ist auch in die Entscheidung eingebunden, ob Kristina Hammer über 2026 hinaus als Präsidentin der Salzburger Festspiele fungieren wird.
Zunächst aber will er bekannt geben, ob das Haus der Geschichte Österreich in der Neuen Burg bleibt (so der Wunsch von Direktorin Monika Sommer) oder, wie geplant, ins MuseumsQuartier übersiedelt. Die teuren Vorarbeiten sind, wie MQ-Chefin Bettina Leidl unlängst erklärte, abgeschlossen. Heuer wird sich auch weisen, ob in Wien ein Holocaust-Museum gegründet wird. Die Chancen stehen schlecht. Jüngst brach Katrin Vohland, die Direktorin des Naturhistorischen Museums, die Entwurfsplanung für das neue Entree ab, weil von Babler keine Finanzierungszusage vorliegt.
Dessen Sonderberater Rudolf Scholten bemüht sich um kreative Lösungen, aber was man bisher vernommen hat (Fusionierungen!), überzeugt wenig. Ohne massive Kollateralschäden wird der Sparkurs nicht vonstattengehen.
Was der Szene blüht, sieht man nicht nur in der Steiermark (das Joanneum wurde ordentlich gestutzt): Die Finanzplanung der Stadt Wien sieht für die Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft eine Reduktion von 353,7 (heuer) auf 308 Millionen Euro im Jahr 2027 vor. Man muss kein Sterndeuter sein: 2026 wird das Jahr der bitteren Tränen.
Neue Direktorinnen
Marie Rötzer, Direktorin des Landestheaters in St. Pölten (Highlight: die Uraufführung „Speed“ am 30. April), folgt in der Josefstadt nach. Aslı Kışlal übernimmt das Theater der Jugend, Cornelia Lamprechter die NÖKU-Holding von Paul Gessl. Markus Poschner löst Marin Alsop an der Spitze des ORF Radio-Symphonieorchesters ab. Bereits zuvor, mit 1. April, übernimmt Ex-Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) die Holding der Bundestheater.
25 Jahre MQ
Nach dem Auszug der Wiener Messe aus den ehemaligen Hofstallungen sinnierte man, wie das Areal weitergenutzt werden könne. Und dann entbrannte ein richtiger Kulturkampf. Denn beim MuseumsQuartier handelte es sich um ein gemeinsames Projekt von Bund und Stadt Wien, da gab es Streitereien ohne Ende zwischen SPÖ und ÖVP. Die Denkmalschützer liefen Sturm: Laurids und Manfred Ortner mussten ihre Pläne mehrfach redimensionieren, der Leseturm (als Stachel im Weichbild der Stadt) wurde gekappt. Aber Ende des letzten Jahrtausends wurde das MQ gebaut, die Eröffnung fand im Juni 2001 statt. Heutzutage wäre ein derartiges Projekt wohl nicht mehr realisierbar. Und so feiert man das 25-Jahr-Jubiläum des Areals, das 2025 von fünf Millionen Menschen besucht wurde. Es gibt ab 2. Juni Performances, Konzerte, Interventionen – und die Schau „Visionen und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier die Stadt Wien veränderte“. Für die Kampagne porträtiert Fotografin Elfie Semotan 25 Persönlichkeiten, die das MQ geprägt haben.
250 Jahre Albertina
1776 wurde die Gründungsurkunde der Graphischen Sammlung Albertina verfasst. Das Programm des Jubiläumsjahres wird Direktor Ralph Gleis erst Mitte Jänner bekannt geben. Erwähnenswert im Bereich der bildenden Kunst ist natürlich die Biennale Venedig (ab 9. Mai); Österreich schickt die Choreografin und Extrem-Performerin Florentina Holzinger ins Rennen. Ein Spektakel!
250 Jahre Burgtheater
Auch die Burg feiert das 250-jährige Bestehen. Denn am 17. Februar 1776 erklärte Kaiser Joseph II. das „Theater nächst der Burg“ (das bereits existierte) zum „Teutschen Nationaltheater“. Unter anderem hat am 20. März „Wir sind noch einmal davongekommen“ Premiere (in der Regie von Direktor Stefan Bachmann) und am 9. Mai „Sankt Falstaff“ von Ewald Palmetshofer. Das Volkstheater hat unterdessen die langjährige Krise überwunden: Als Koproduktion mit den Wiener Festwochen wird am 16. Mai „Mythen des Alltags“ aus der Taufe gehoben – just am Abend des ESC-Finales. Auch das Theater in der Josefstadt trumpft auf – mit den Uraufführungen „Zemlinsky“ von Felix Mitterer am 19. März und „Was für ein schönes Ende“ von Peter Turrini am 29. April. Auch für Herbert Föttinger, der nach einem Vierteljahrhundert als Direktor Abschied nimmt?
Und sonst ...
Trenčín und Oulu sind die Kulturhauptstädte Europas. Mitte Februar erscheinen Norbert Gstreins „Im ersten Licht“, Michael Köhlmeiers „Das Gute. 53 Zuneigungen“ und Robert Menasses Novelle „Die Lebensentscheidung“. Am 19. Juni kommt Elfriede Jelineks Stück „Unter Tieren“ als Buch heraus, das Nicolas Stemann am 16. August bei den Salzburger Festspiele zur Uraufführung bringt. Intendant Markus Hinterhäuser hat auch einen neuen Peter Handke im Talon (ab 27. Juli „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ mit Jens Harzer) – und er verpflichtete Asmik Grigorian als Carmen.
Eine Jelinek-Uraufführung gibt es aber schon davor, am 1. Februar, in der Hamburger Staatsoper: „Monster’s Paradise“ zur Musik von Olga Neuwirth. Am 17. Februar hat im Wiener Stadtsaal das Programm „Im falschen Film“ von Thomas Maurer Premiere. Zwei Tage später croont Herbert Grönemeyer mit Orchester in der Stadthalle. Literatur im Nebel holt erneut Salman Rushdie (22. März).
Einen trashigeren Ort als die SimmCity kann man sich für Public Image Ltd. gar nicht vorstellen (am 23. Mai), Nick Cave gastiert am 21. Juni auf der Burg Clam. Und BAP tritt am 4. Dezember in der Stadthalle auf. Titel der Tour: „Die Zielgerade.“
Kommentare