FRANÇOIS MORELLET: NÉONS 3D : 15°-90°-40°, 2015

© François Morellet/Galerie Nikolaus Ruzicska

Kunst
05/11/2016

Künstler François Morellet ist verstorben

Der Meister der konkreten Kunst hatte enormen Einfluss. Er wurde 90 Jahre alt.

Erst am 30. April hatte er seinen 90. Geburtstag gefeiert, am Kunstmarkt wurde er gerade wieder entdeckt: Am Mittwoch ist François Morellet, der große Meister der konkreten Kunst, verstorben. Wie der Salzburger Galerist Nikolaus Ruzicska, der Morellet eben erst eine Schau zum runden Geburtstag ausgerichtet hatte, gegenüber dem KURIER erklärte, sei er in Gegenwart seiner Frau Danielle, mit der er 69 Jahre lang verheiratet gewesen war, friedlich eingeschlafen.

Morellet arbeitete ab den späten 1940er Jahren an geometrisch-abstrakter Kunst, wobei sich sein künstlerisches Spektrum von Malerei und Zeichnung nach und nach auf Rauminstallationen, Skulpturen und Objekte erweiterte. Ab 1963 setzte er Neonlicht ein. Als Mitglied der Gruppe GRAV ("Groupe de recherche d'art visuel", etwa "Forschungsgruppe bildende Kunst"), die er 1960 mit begründet hatte, experimentierte er auch mit kinetischen Objekten, die vom Betrachter Teilnahme einforderten und den klaren Autoren-Begriff aufweichten. "Kunstwerke sind Picknickplätze, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat", pflegte Morellet zu sagen - ein Werk würde immer anders gesehen, weil jeder Betrachter seinen individuellen Vorrat an Ideen und Vorwissen mitbringe.

Trotz der formalen Strenge seiner Arbeiten zeigte der Künstler, der im Brotberuf lange Spielzeugfabrikant blieb, großen Sinn für Humor und zelebrierte die Abweichung von selbst gesetzten Regeln. Er liebte Wortspiele und Palindrome, die er sowohl als Grundlage für seine Formexperimente wie auch als Werktitel nutzte: "No End Neon" hieß etwa ein Werk und eine Ausstellung im Jahr 2013.

Inspiration auch in Österreich

In Österreich wurde Morellet u.a. vom Sammler-Paar Gertraud und Dieter Bogner intensiv gefördert, in deren Schloss Buchberg am Kamp/NÖ realisierte er 1984 eine Rauminstallation. Durch eine Schenkung des Ehepaars gelangten Werke Morellets auch in das Wiener mumok. 1995 setzte Morellet sich im Wiener Heiligenkreuzerhof mit Ideen des Barock auseinander. Der Einfluss des Franzosen ist schwer zu unterschätzen - ein Werk wie jenes von Brigitte Kowanz, Österreichs Vertreterin bei der kommenden Venedig-Biennale, verdankt seinem Input ebenso viel wie jenes von Helga Philipp und zahlreichen anderen geometrisch-abstrakten Künstlerinnen und Künstlern. Einige Bezüge werden noch bis 29. Mai in der Schau „Abstract Loop Austria“ im Wiener 21er Haus veranschaulicht. Auch Daniel Spoerri, ein langjähriger Freund Morellets, erweist dem Meister bis 29.6. in seinem Kunstraum in Hadersdorf am Kamp/NÖ Reverenz.

Doch die Entdeckung von Morellets intelligenten wie verspielten Werken bleibt nicht nur auf Künstlerkreise beschränkt; auch der Markt erkannte anlässlich aktueller Jubiläums-Ausstellungen die Relevanz des Franzosen, die Nachfrage nach Morellets Werken erlebte einen Schub. "Alte französische Künstler sind die neuen jungen britischen Künstler", titelte das Art Newspaper in Anspielung auf den dominanten Kunsttrend der 1990er, aus dem Damien Hirst und andere Stars hervorgingen.

Dass der Verstorbene post mortem nun derart gefeiert wird, mag für jene, die um ihn trauern, kein Trost sein. Für alle anderen aber mag es ein Anstoß sein, Morellet erstmals oder wieder neu kennen zu lernen.

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