Kühle Kino-Göttin: Tilda Swinton ist 50

Die androgyn anmutende, Oscar-gekrönte Schottin zeigt viele Gesichter und lässt sich trotz ihrer Hollywood-Jahre in kein Schema pressen.

Sie gilt als Königin des Programmkinos, spielt gerne starke Frauen, manchmal auch Männer - und hat selbst zwei davon: Tilda Swinton will nicht ins Hollywood-Klischee passen. Erst im Alter von 40 Jahren wurde sie so richtig bekannt. Damals spielte sie in Danny Boyles Hollywood-Aussteiger-Drama "The Beach" an der Seite von Leo Di Caprio die rücksichtslose Kommunen-Anführerin Sal. Acht Jahre dauerte es, dann bekam sie einen Oscar. Wieder war es die Rolle einer Rücksichtslosen: ... Eine fremdgehende Chemie-Managerin an der Seite von George Clooney in "Michael Clayton". Am 5. November wird die rothaarige Schottin mit dem knabenhaften Aussehen 50 - und will es ein wenig langsamer angehen lassen. Probleme hat sie mit dem Älterwerden keineswegs. Das Jetzt sei viel spannender als die Vergangenheit. "Die gute Nachricht ist, dass ich mir jetzt Zeit nehme, mich auszuruhen", sagte Tilda Swinton erst vor kurzem dem Zeit-Magazin. Sie sei produktiver gewesen, als ihr lieb war. Laut sei es gewesen um sie herum. "Jetzt gönne ich mir endlich etwas Frieden." Für ihren gerade in den Kinos angelaufenen Film "I am Love - Ich bin die Liebe" in der Regie von Luca Guadagnino ist sie 2009 vor der Kamera gestanden. Tilda Swinton ist als Kind einer wohlhabenden Familie geboren, ein Spross alten Adels. Dennoch war ihre Kindheit nicht in Watte gehüllt. Sie wurde auf einem Landsitz in Schottland groß ... ... 1,80 Meter groß, um genau zu sein. Der Vater war Offizier und sie musste sich gegen ihre Brüder durchsetzen. Als junge Schauspielerin trat sie gleich nach dem Studium für ein Jahr der Royal Shakespeare Company bei.

Bild: Swinton in Derek Jarmans "Caravaggio" (1986) Zunächst auf der Bühne erfolgreich, verhalf ihr Sally Potters "Orlando" (nach dem Buch von Virginia Woolf) 1992 zum Kino-Durchbruch, ... ... als Mann, der sich zur Frau wandelt. Swinton, erst im Vorjahr Stargast bei der Viennale, die ihr eine große Retrospektive widmete, machte in ihrer Schauspielkarriere immer wieder mit ungewöhnlichen Projekten auf sich aufmerksam. 1995 und 1996 gab sie sich in London und in Rom als lebendes "Exponat" aus und lebte eine Woche lang - für die Öffentlichkeit sichtbar - täglich acht Stunden in einem Glaskasten der Ausstellung "The Maybe". 1986 spielte sie in Christoph Schlingensiefs Film "Egomania - Insel ohne Hoffnung". 2009 traf sie den mittlerweile verstorbenen Regisseur bei der Berlinale wieder. Swinton agierte als Jury-Präsidentin. 1988 fuhr sie für den Kurzfilm "Cycling the Frame"  (Regie: Cynthia Beatt) die Berliner Mauer ab. Nach der Wende entstand ein zweiter Film mit Swinton in ähnlicher Rolle, Titel: "Cycling the invisible Frame". Während sie in früheren Jahren Lufthoheit über den Programmkinos genoss, ...

Bild: 1996 in "Female Perversions" ... spielte sie nach "The Beach" (2000) immer wieder in Hollywood-Filmen, wie etwa in den "Chroniken von Narnia" (Bild). Die Liaison mit dem Big Business sei aber mittlerweile vorbei. Ihre Jahre in Hollywood bezeichnete Swinton als "Urlaub". ... 

Bild: Swinton mit Cuba Gooding Ein Urlaub, den sie vor allem in der Gemeinschaft der Coen-Brüder oder von Spike Jonze als sehr "spielerisch" empfand - "und das ist dort selten," sagte sie vergangenes Jahr bei der Viennale.

Bild: Mit Brad Pitt spielte sie im Coen-Film "Burn After Reading" Die "kleine Forschungsreise" in Übersee sei nun aber wieder vorüber. In Europa trage die Saat, die man im Filmbereich gesät habe, langsam Früchte, daher freue sie sich nun wieder auf die Arbeit hier. sagte Swinton in Wien. Die umtriebige Schottin entwickelte in Europa bereits ein ungewöhnliches Projekt: Sie tingelt mit einem mobilen Filmfestival  ("Pilgerreise") durch Schottland. Der 40-Tonnen-Lastwagen soll authentische Kinoerfahrung in kleine Dörfer und Städtchen bringen. Auch das Privatleben der Schottin ist alles andere als gewöhnlich. Tilda Swinton lebt mit dem Vater ihrer Zwillinge, John Byrne, zusammen. Ihr "Sweetheart" sei der aber nicht mehr, sagt sie. 

Bild: Falscher Kuss mit George Clooney Dieses Privileg genießt seit Jahren der deutlich jüngere deutsche Künstler Sandro Kopp (nicht immer mit Rauschebart). Dieses Dreieck habe man sich bitte nicht als "polyamouröses Bacchus-Gelage" vorzustellen, sagt die Schauspielerin. Swinton nennt es "unexotisch". So lange ihr Auftritte so exotisch und anmutig bleiben, wie wir es von Tilda Swinton gewohnt sind, soll es uns recht sein. Happy Birthday!
(dpa,apa, KURIER.at / tem) Erstellt am
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