„Die Nibelungen“ ziehen auch ohne Wagner in ihren Bann

Fritz Langs cineastisches Meisterwerk aus dem Jahr 1924 wurde mit dem RSO im Konzerthaus famos umgesetzt.
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von Susanne Zobl

Drei Stunden Hochspannung bei Siegfried ohne einen Ton von Richard Wagner? Fritz Lang machte das mit seinem Stummfilm „Die Nibelungen“ 1924 möglich. Jetzt ist das cineastische Meisterwerk restauriert.

Dirigent Frank Strobel lieferte am Pult des ORF-Radiosinfonieorchesters (RSO) den Soundtrack mit der Original-Musik von Gottfried Huppertz. Unaufdringlich, aber präzise ließ er erkennen, wie Langs Zusammenspiel von Bild und Musik Wagners Idee vom Gesamtkunstwerk entspricht, obwohl es sich von dessen „Ring des Nibelungen“ distanziert: Lang orientierte sich an der nordischen Sage.

Huppertz illustrierte die Bilder von „Siegfried“ und „Kriemhilds Rache“, so die beiden Teile in „sieben Gesängen“. Dass Lang nach seiner Emigration vor den Nationalsozialisten seine Arbeit in Hollywood erfolgreich fortsetzte, lässt den Satz: „Dem deutschen Volke zu eigen“, der im Vorspann zu lesen ist, in einem anderen Licht erscheinen. Lang setzt Paul Richter als makellos schönen Titelhelden in Szene. Wie alle in der Besetzung spricht Richter mit Blicken und Gesten. Das Faszinierendste ist Langs Spiel mit Licht und die akkurate Komposition der Szenen. Wenn Siegfried von Hagen an einer Quelle ermordet, wiederholt sich darin das Bild von seiner Drachentötung. Über Langs Einsatz von Tricktechnik – naturgemäß ohne KI – lässt sich nur staunen. Das Publikum jubelte. 

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