"Benamor" im Theater an der Wien: Spanisch-Kurs mit Zarzuela
Geschlechtertausch-Operette von Pablo Luna im Theater an der Wien: „Benamor“.
Sultan Darío kann mit seinem Harem nichts anfangen und lehnt jede Gewalt ab. Seine kleine Schwester Benamor will lieber reiten, fechten und kämpfen als sticken. Beide erfahren erst, dass er eine Frau und sie ein Mann ist, als Darío für Benamor einen Ehemann sucht. Die Mutter hatte ihre Geschlechter getauscht, um sie vor einem Gesetz zu schützen.
Das ist der Kern von Pablo Lunas populärster Zarzuela – „Benamor“.
Christoph Loy hat sie für das Theater an der Wien entdeckt und als orientalisches Märchen in Szene gesetzt. Herbert Murauers Bühne ist heller Palast und heutiger Hauptplatz. Ein ausgeschnittener Perserteppich umrahmt einen Haremsgarten. Agiert wird in Kostümen (Barbara Drohsin), die aus dem Fundus der Goldenen- Hollywood-Ära stammen könnten. Gesungen und gesprochen wird auf Spanisch.
Sprachkenntnisse
Wer nicht auf die Übertitel angewiesen ist, kann bei diesem Spektakel seine Sprachkenntnisse überprüfen. Denn geredet wird sehr viel und sehr oft immer das Gleiche. Das erinnert an einen Sprachkurs für Fortgeschrittene, wo immer wieder Geschichten wiederholt werden.
Milagros Martín, Cineasten aus Filmen von Pedro Almodóvar bekannt, erklärt zu Beginn die Handlung und wie Zarzuela funktioniert, nämlich, dass das Publikum mit Olé- und Bravo-Rufen seine Freude ausdrückt.
Die Uraufführung 1923 dauerte mit den eingeforderten Dacapos fast bis ins Morgengrauen.
Machos
Bei der Aufführung in Wien ist das nicht vorstellbar, aber das liegt nicht an Loys Inszenierung. Er treibt Lunas Spiel mit Klischees an die Spitze und lässt kein Tabu aus. Männer bedrängen Frauen, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Frauen ordnen sich Machos unter. Ein Sklavenhändler tritt als Zuhälter auf und bietet seine „frische Ware“ an.
Marina Monzó zeigt als Benamor die Karikatur von einem Mann. Sie stapft breitbeinig über die Bühne und treibt sich im Harem herum. Ihr ausdrucksstarker Sopran überragt das Ensemble.
Darío ist für eine Mezzosopranistin geschrieben. Loy lässt diese Figur von Federico Fiorio darstellen. Der wirkt in dieser Partie verloren. Der italienische Sopranist hatte in Salzburg als Sesto in Händels „Giulio Cesare“ mit furiosen Koloraturen überzeugt. In diesem Genre klang seine Stimme glanzlos, wie abgeschliffen. Auch die anderen Herren im Ensemble reißen nicht wirklich mit.
Behäbig
Der Schoenberg Chor ergänzt bewährt. Dirigent José Miguel Pérez-Sierra leitet in Madrid das Teatro de la Zarzuela. Er versucht vergeblich, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien Spanisch zu lehren. Behäbig hebt das erste Vorspiel an.
Beim „Danza del Fuego“ zündet nichts, abgesehen von der eleganten Choreographie. Bei Tänzen wie Shimmy und Foxtrott lässt das Orchester aufhorchen. Die Revue-Musik-artigen Passagen muten wie ein plakativer Kontrast zu Loys ansehnlicher Inszenierung an.
Das Premierenpublikum jubelte.Susanne Zobl
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