Klaus Mäkelä und der unerbittliche Klang des Kriegs
Ob Dmitri Schostakowitsch in seiner 8. Symphonie in c-Moll tatsächlich die Schrecken des Krieges abbildete, oder den Terror, den das Stalin-Regime ausübte, ist Ansichtssache. Klaus Mäkeläs Interpretation mit Oslo Philharmonic im Wiener Konzerthaus ließ die Unerbittlichkeit dieses Werks in jeder Phase hören.
Seit 2020 ist er Chefdirigent dieses norwegischen Klangkörpers, 2027 tritt er seine Chefposten beim Chicago Symphony Orchestra und dem Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam an. Man versteht, dass die bedeutendsten Orchester ihn an ihre Pulte holen, wenn man hört, wie er durch Schostakowitschs Opus Nr. 35 führt. Jeden Winkel leuchtet er aus. Dämonisch hebt er diese Symphonie an, steigert die Spannung bis über die Schmerzgrenze, hält die Klangbalance.
Spottlied für Diktator
Die Violinen flirren, die Bratschen knarzen, die Solo-Flöte ertönt alarmistisch und pfeift dem Diktator ein Spottlied. Jedes Motiv gestaltet Mäkelä mit sublimer Deutlichkeit. Er betont das Martialische in den Marschrhythmen, steigert die Beklemmung, wendet in erfrischenden tänzerischen Passagen die Bitternis für Momente in verzweifelte Fröhlichkeit. Subtil spendet das Englisch-Horn Trost, die Trompete intoniert exzellent. Im letzten Satz lassen das Solo-Cello und die Konzertmeisterin mit verstörenden Soli aufhorchen. Denkwürdig führt Mäkelä ins Finale.
Wie ein Kontrast mutete dagegen die Aufführung von Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur mit Lisa Batiashvili an. Verschwommene, blässliche Klangfarben wabertern vom Orchester her um die Solistin. Die agierte in manchen Passagen isoliert. Sie riskierte nichts, setzte routiniert auf ihre souveräne Technik, betonte etwa die Flageolett-Töne. Das alles ging auf Kosten der Ausstrahlung dieses Werks. Der Jubel über Mäkeläs Schostakowitsch-Interpretation übertönte am Ende alles
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