Kultur
12.05.2018

Karl-Markus Gauß: Wieso machen Bettler so aggressiv?

... und wieso lösen Spekulanten nicht viel mehr Aggressionen aus? Reden des Salzburgers in "Die Bibliothekarinnen von Renens"

Das sind Reden von Karl-Markus Gauß – alle wurden gehalten, bis auf die Laudatio auf den Dichter Michael Guttenbrunner, der Tage vorher gestorben war. Alle Reden sind Literatur, und das ist eine schöne Abwechslung, denn so oft sind Reden nur Gerede.
So oft sind sie Stuss, und da serviert Gauß den Gedanken: dass das menschliche Gefühl für Peinlichkeit eine „große Errungenschaft des zivilisatorischen Prozesses darstellt“; dass dieses Gefühl aber einigen Menschen  völlig abgeht bei ihrer Selbstdarstellung. Das Wort „Politiker“ verwendet er nicht.
Die gesammelten Reden handeln u.a. von den kleinen Nationalitäten in Europa, gedacht wird an das Einkommen einer Kassierin im Supermarkt, gedacht wird an Bettler auf den Straßen – einfach zum Nachdenken (zur Empörung über uns selbst): Warum lösen flehende Bettler Aggressionen aus, aber Spekulanten, die Finanzkrisen auf unsere Kosten  auslösen, nicht?


Karl-Markus Gauß:
„Die Bibliothekarinnen von
Renens
Otto Müller
Verlag.
170 Seiten.
20 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern