Kultur 13.03.2012

Kärntner Wieser Verlag in Insolvenz

© Bild: KURIER/Deutsch Gerhard

Der Kärnter Verleger Lojze Wieser hat am Dienstag beim Landesgericht Klagenfurt Insolvenz angemeldet.

Der Wieser Verlag mit Sitz in Klagenfurt hat am Dienstag beim Landesgericht Klagenfurt Insolvenz angemeldet. Gründer und Verleger Lojze Wieser erklärte gegenüber der APA: "Ich habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen." Der Verlag, der sich unter anderem mit der vielsprachigen Reihe "Europa erlesen" einen Namen gemacht hat, ist mit mehr als 800.000 Euro überschuldet. Wieser will das Unternehmen nach dem Sanierungsverfahren, bei dem den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent angeboten wird, mit einer Auffanggesellschaft weiterführen.

Vor 24 Jahren gründete Wieser den Verlag, in den vergangenen zwei Jahren wurden die wirtschaftlichen Probleme immer gravierender, unter anderem wegen der Kombination aus krisenbedingt sinkenden Verkaufszahlen und zugleich gekürzten Subventionen, vor allem in den osteuropäischen Ländern. "Ich habe alles, was ich zusätzlich verdient habe, ob mit Vorträgen oder Lesereisen, in den Verlag gesteckt, aber es hat einfach nicht mehr gereicht", erklärte Wieser, der den Verlag als Einzelhandelsfirma geführt hat.

Die Arbeit soll nahtlos fortgesetzt werden, laut Wieser liegt die notwendige Barquote zur Durchführung des Sanierungsverfahrens auf einem Treuhandkonto. "Ich bin froh, dass es weitergeht." Die Verbindlichkeiten bestehen hauptsächlich gegenüber Banken, mit denen im Vorfeld bereits Gespräche geführt wurden.

Über 1000 Bücher publiziert

Seit der Gründung hat der Wieser Verlag knapp 1.000 Bücher publiziert, die Gesamtauflage beträgt rund 1,3 Millionen Exemplare. Allein in der Reihe "Europa erlesen" wurden fast 10.000 Texte von mehr als 3.000 Autorinnen und Autoren aus über 50 Sprachen veröffentlicht. Für Wieser war die Verlagsarbeit immer mehr als nur das Herausgeben von Büchern. "Es geht um Verständnis für den anderen, das Andere, um ein Anerkennen der Vielfalt, die sich durch Sprachen ausdrückt." Der Kärntner Slowenen sieht sich als Vermittler zwischen den Kulturen und Sprachen und sieht auch Erfolge: "Die Erkenntnis, dass die Kultur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein soll, hat sich durchgesetzt und deutlich Gehör gefunden."

Erstellt am 13.03.2012