Figurentheater – diesmal mit ausgeschnittenen Fotografien

© Thomas Trenkler

Kritik
11/05/2019

Kabinetttheater: Dembas Odyssee durch den Alsergrund

Ein Kleinod des Figurentheaters: „Zwischen neun und neun“ von Leo Perutz im Kabinetttheater der Julia Reichert.

von Thomas Trenkler

Bereits seit einem Vierteljahrhundert gibt es das verwunschene Kabinetttheater der Julia Reichert in der Porzellangasse von Wien. Aber erst vor zwei Jahren fiel der Prinzipalin ein paar Häuser weiter eine Gedenktafel auf. Sie erinnert an den Schriftsteller Leo Perutz, der 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs, nach Palästina floh.

Perutz, 1882 in Prag geboren, fühlte sich in Tel Aviv jedoch unwohl, er lehnte jede Form von Nationalismus ab. 1952 nahm er wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an, fünf Jahre später starb er in Bad Ischl.

Reichert realisierte nun einen der Erfolge von Perutz, den Episodenroman „Zwischen neun und neun“, als Figurentheater – auch deshalb, weil er großteils im Alsergrund spielt, u.a. im Liechtenstein-Park. Erzählt wird ein verhängnisvoller Tag im Leben des Studenten Stanislaus Demba, der rasch viel Geld benötigt, um die Angebetete nach Venedig einladen zu können. Dieser Hans im Unglück verhält sich aber höchst ungeschickt – aus zwingenden Gründen, wie sich später herausstellt.

Geschickt werden Videoaufnahmen der Schauplätze (die Inszenierung ist mithin ein Porträt des Alsergrunds) mit den Spielszenen in den seitlichen Mini-Bühnen kombiniert, als Figuren dienen ausgeschnittene und bemalte SW-Fotos. Es gibt wieder jede Menge liebevoller Gags, Katarina Csanyiova und Walter Kukla fungieren auch als Erzähler, Grazielle Rossi und Helmut Vogel bestreiten alle Dialoge. Und Daniel Klemmer untermalt das Geschehen mit den absurdesten Geräuschen. Ein Kleinod.

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