Kultur
31.08.2018

Justice: Live-Album aus dem Studio zum Geburtstag

Xavier de Rosnay und Gaspard Augé ezählen, welche Fan-Wünsche sie beim jüngsten Album brücksichtigt haben.

Das „perfekte Live-Album“ haben Justice mit ihrer jüngsten Veröffentlichung „Woman Worldwide“ angestrebt – mit im Tonstudio überarbeiteten Aufnahmen von Songs, die das französische Elektronik-Duo mit dem rebellischen Industrial-Rock-Sound während der letzten Tournee gespielt hat.

„Wir müssen unsere Musik für die Bühne stark adaptieren“, erklärt Xavier de Rosnay im Interview mit dem KURIER. „Erstens, weil wir nicht so viel Ausrüstung mitnehmen können, wie wir im Studio haben. Nur zu zweit auf der Bühne könnten wir das alles ja auch gar nicht bedienen. Deshalb müssen wir die Songs live simpler arrangieren. Der zweite Grund: Wenn wir im Studio an Songs arbeiten, müssen die nichts anders als richtig gut sein. Sie müssen nicht tanzbar oder Radio-freundlich sein. Um die Leute aber live mitreißen zu können, machen wir sie sie schneller und energetischer.“

Weil Xavier de Rosnay und sein Duo-Partner Gaspard Augé auch diese Versionen gut gefallen, haben sie sie jetzt auf „Woman Worldwide“ festgehalten. Allerdings nicht in einem „echten“ Live-Album. Denn das haben Justice schon zwei Mal gemacht – und Beschwerden von Fans bekommen: „Viele waren frustriert, weil wir den Fokus auf die Energie und auf die Beteiligung des Publikums gelegt hatten“, sagt de Rosnay. „Sie meinten, dass sie deshalb die Musik gar nicht richtig hören können. So haben wir jetzt bei den Konzerten nur die Musik und nicht das Publikum aufgenommen, und dieses Material im Studio überarbeitet. Wir haben Effekte dazu eingespielt, die wir auf der Bühne gerne hätten, aber wegen der Equipment-Beschränkungen nicht haben können.“

Rückblick

„Woman Worldwide“ markiert aber auch das Jubiläum zum zehnjährigen Bestehen von Justice. Denn es enthält zur Hälfte Songs aus dem Album „Woman“, zur anderen Hälfte Tracks aus den beiden anderen Studioalben, ist somit ein „Rückblick auf die erste Phase von Justice“.

Viel hat sich geändert, seit de Rosnay und Augé begannen, zusammen Musik zu machen. Anfangs hatten sie gar keinen Computer zum Aufnehmen, spielten neu erarbeitete Songs direkt auf einen CD-Brenner. Trotzdem erinnert sich de Rosnay gerne an die Zeit: „Wir waren von vielen Sounds beeinflusst auch von Rock und Indie. Aber am meisten von den Soundtracks zu Computerspielen und TV-Serien wie ,Cobra’. Die waren in den 80er-Jahren als wir aufwuchsen epische Disco-Musik!“

Vorreiter wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre entdeckten sie erst später. Aber: „Jarre hat viele Türen geöffnet. Und er hat gezeigt, dass man auf einem hohen Level sehr spezifische Instrumentalmusik machen und trotzdem erfolgreich sein kann.“