Beugte sich, um weiteren Schaden zu vermeiden: Peter Schäfer

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KULTURPOLITIK
06/15/2019

Jüdisches Museum Berlin: Direktor Schäfer zurückgetreten

Eine Schau über Jerusalem soll eine „palästinensische Sicht“ präsentiert haben. Der Zentralrat der Juden intervenierte.

von Thomas Trenkler

Der Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Peter Schäfer (75), ist zurückgetreten. Schäfer bot Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Freitag seinen Rücktritt an, um weiteren Schaden vom Jüdischen Museum abzuwenden. Grütters erklärte, sie respektiere die Entscheidung. Bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden sei, übernehme der Geschäftsführende Direktor Martin Michaelis die Leitung. Am 20. Juni werde Grütters eine Sondersitzung des Stiftungsrats einberufen, erklärte das Museum.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland teilte auf Twitter mit, er begrüße die Entscheidung Schäfers.

Um das Haus hatte es in den vergangenen Monaten politische Turbulenzen gegeben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert, eine Ausstellung zu schließen. Die Sonderschau „Welcome to Jerusalem“, die bis Ende April zu sehen war, präsentiere eine einseitige, „palästinensisch-muslimische Sicht“ auf die Stadt. Schäfer und Grütters hatten die Vorwürfe als politische Einmischung deutlich zurückgewiesen.

Zur Sonderausstellung heißt es auf der Website desw Museums: "Synagogen, Kirchen und Moscheen prägen unser Bild von Jerusalem. Für Jüdinnen*Juden, Christ*innen und Muslim*innen aus aller Welt ist die 'heilige Stadt' ein wichtiges Zentrum ihres Glaubens. Gleichzeitig ist Jerusalem von außerordentlicher politischer Brisanz, da sowohl Israelis als auch Palästinenser*innen sie als ihre Hauptstadt beanspruchen." Gezeigt wurden Arbeiten von Harun Farocki, Nira Pereg, Yael Bartana, Mona Hatoum, Gustav Metzger, Fazal Sheikh und weiteren internationalen Künstlern, in denen historische Ereignisse und politische Positionen kommentiert wurden.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet zudem, dass die Sprecherin des Museums freigestellt worden sei, nachdem sie vom Twitter-Account des Hauses aus einen Artikel empfohlen hatte. Darin ging es um die Kritik von jüdischen und israelischen Wissenschaftern an einem Beschluss des Bundestags, in dem die BDS-Bewegung als antisemitisch eingestuft worden war. Die Bewegung fordert unter anderem ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat, außerdem den Boykott israelischer Waren.

Mit dem Tweet sei das Gebot der Neutralität verletzt worden, schreibt die Zeitung. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte, ebenfalls auf Twitter, scharf reagiert: „Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein.“ Das Jüdische Museum hatte dagegen erklärt, man habe sich nicht gegen den Bundestagsbeschluss positioniert, sondern auf einen Diskussionsbeitrag hingewiesen.

Erst Anfang Mai war Schäfers Vertrag um ein Jahr verlängert worden - er hätte eigentlich im August 2020 aufhören sollen. Eine Kommission arbeitete bereits daran, eine Nachfolge zu finden.

Das Jüdische Museum Berlin ist eines der größten jüdischen Museen Europas. Pro Jahr kommen rund 650.000 Besucher. Die Ausstellung zur deutsch-jüdischen Geschichte haben seit der Eröffnung 2001 rund 11,4 Millionen Menschen gesehen.