„Thou Shalt not Hate“: Ein Chirurg mit jüdischen Wurzeln wird Zeuge eines Autounfalls – und das Opfer hat Nazi-Tattoos ...

© Jüdisches Filmfestival/Lorenzo Pesce

Kultur
10/02/2021

Jüdisches Filmfestival Wien - unter dem Motto "Trotzdem"

Plädoyer für Toleranz: Zum 30-Jahr-Jubiläum des Jüdischen Filmfestivals geht es von 3. bis 17. Oktober um das Zusammenleben

von Thomas Trenkler

1991 rief der gebürtige Belgier Frédéric-Gérard Kaczek die Jüdische Filmwoche ins Leben. Sie wuchs mit der Zeit zum respektablen Filmfestival an. Und heuer kann das 30-Jahr-Jubiläum gefeiert werden. Wenngleich  von 3. bis 17. Oktober erst die 29. Ausgabe stattfindet. Nein, nicht wegen der Pandemie: Das  Festival  fand 2020 tatsächlich statt. Aber 2002 und 2003 hatte die Schau aufgrund von Unterdotierung abgesagt werden müssen.

Kaczek gab damals nicht auf. Und er lässt sich auch jetzt nicht  in die Knie zwingen. Folglich hat er als Motto „Trotzdem!“ ausgegeben: Er will trotz zunehmendem Antisemitismus die jüdische Kultur stärken, er hofft trotz aller Konflikte auf ein friedliches Zusammenleben. Das Festival macht also  weiter – mit ungebrochener Leidenschaft für die große Leinwand (im Village Cinemas Wien Mitte, im Metro Kinokulturhaus, im Stadtkino).

Zur Eröffnung am 3. 10. zeigt Kaczek  „Alles außer gewöhnlich“   (F 2019) von Éric Toledano und Olivier Nakache, die mit „Ziemlich beste Freunde“ (F 2011) internationale Erfolge feierten: Bei ihrer Arbeit mit autistischen Jugendlichen in Paris vollbringen Bruno, religiöser Jude, und Malik, praktizierender Moslem, kleine Wunder. Eine wahre Geschichte. Die Eröffnungsrede hält Cornelius Obonya  als Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich.

Am 6. Oktober erlebt  die Doku „Belina  – Music For Peace“ von Marc Boettcher ihre Weltpremiere. Die jüdisch-polnische Sängerin Belina alias Lea-Nina Rodzynek (1925–2006)  beschritt den Weg der Aussöhnung und setzte sich trotz traumatischer NS-Erlebnisse  für Toleranz und Gleichheit zwischen Deutschen, Juden und anderen Menschen ein. Für sie war Musik die universelle Sprache – fernab von Herkunft, Religion, Hautfarbe.

Um das Zusammenleben geht es auch in „Nachbarn“ (CH 2021), „Thou Shalt not Hate“  (I/P 2020), „Der Sohn der Anderen“ (F 2012) , „Lemon Tree“ (IL 2008) oder den Komödien „An American Pickle“ (USA 2020) und „Alles koscher“ (GB 2010).
Auch wenn es kein Generalthema (ein solches wäre ein zu starres Korsett), sondern Schwerpunkte gibt, rückt Kaczek den Antisemitismus in den Fokus. Die Filme, darunter „Wien 1910“ über den Wiener Bürgermeister Karl Lueger aus der NS-Zeit (1943), werden mit Podiumsdiskussionen und einem Vortrag von Hannes Leidinger zur Entwicklung des Antisemitismus in Österreich  ergänzt. Am 4. Oktober ist „Gebürtig“ in Anwesenheit von Autor Robert Schindel sowie den Darstellern Ruth Rieser und Peter Simonischek sehen. Die Spielfilme „Der Stellvertreter“ (F/D 2002) und „Jump!“ (A/GB 2006) sowie die Dokus „Der schönste Tag“  (A  2021) und „Endphase“ (A/UK 2020) ergänzen das Thema durch unterschiedliche Aspekte.

Kaczek zeigt zudem Filme der Nachkriegszeit aus Ex-Ostblockländern, insbesondere den baltischen Staaten, darunter „The Mover“ und „The Sign Painter“ aus Litauen, „Die letzte Etappe“  (PL 1948)  und „Das Geschäft in der Hauptstraße“  (ČSSR  1968). Und natürlich darf zum Ausgleich der jüdische Humor nicht fehlen – etwa mit „Der Blaumilchkanal“, „Hester Street“ und „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“.

Spielplan: www.jfw.at

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