© Sony Music/Klaus Sahm

Kultur
10/17/2018

Joris: „Bei Menschenrechten muss man Haltung zeigen!“

Der "Herz über Kopf"-Sänger spricht im KURIER-Interview über seine Zweifel und den Willen, positiv zu bleiben.

von Brigitte Schokarth

Es ist eine kleine Begebenheit im Leben von Joris Buchholz, die für den deutschen Musiker repräsentativ für einen Konflikt ist, der ihn häufig beschäftigt: Er steigt aus der Bahn aus und sieht, wie seine Freundin lächelnd auf ihn zukommt, weil sie ihn lange nicht gesehen hat. Währenddessen wird hinter ihr auf einem Screen von einem Terroranschlag mit unzähligen Toten berichtet.

„Es ist diese Gleichzeitigkeit von Positivem und Negativem, die mir überall begegnet“, erklärt der 28-Jährige im KURIER-Interview. „Natürlich entsteht daraus die ewige Frage: Ist man genügsam mit dem, was man selbst hat? Wie sehr soll man sich mit dem Negativen beschäftigen? Oder ist es besser, sich auf das Positive im eigenen Leben zu konzentrieren? Ich selbst kann mich schon sehr in Zweifel verlieren, wenn ich mir die heutige Weltlage anschaue – obwohl ich eigentlich ein lebenslustiger Mensch bin.“

Aber es sind weniger die politischen und sozialen Missstände, die Joris in den Songs seines neuen Albums „Schrei es raus“ bearbeitet, sondern die Art, wie man mit diesem Konflikt umgeht. „In erster Linie will ich Geschichten aus meinem Leben, oder dem von Freunden und der Menschen, die mir begegnen, erzählen, um damit die Denkanreize zu schaffen“, erklärt der Sänger, der 2015 mit dem Hit „Herz über Kopf“ seinen Durchbruch hatte. „Für mich als Künstler darf es nicht darum gehen, parteipolitische Dinge in die Texte zu packen. Denn ich finde es in einer Demokratie super wichtig, dass jeder seinen Weg gehen kann. Aber wenn es um Gewalt geht, darum, dass Menschenrechte nicht eingehalten werden, darum, dass die Demokratie in Gefahr ist, dann muss man Haltung zeigen.“

Engagiert

So setzt sich Joris für die Organisation Viva Con Agua ein und spielt immer wieder gern kleinere Benefizkonzerte für Menschen in Not. Der Albumtitel „Schrei es raus“ hat aber nichts mit dem Engagement des in Vlotho in Nordrhein-Westfalen geborenen Musikers zu tun. Der liegt an den Erfolgen, die er in den vergangenen Jahren feiern konnte.

„Ich habe mit Fünf begonnen, Musik zu machen, habe also vor ‚Herz über Kopf‘ 19 Jahre ohne Erfolg gespielt. Da war es eher Zufall, wenn sich 30 Leute in einen Club verirrten, in dem ich engagiert war. Nach dem Hit standen sie auf einmal Schlange, wenn ich irgendwo auftrat. Und zuletzt spielte ich sogar bei all den großen Festivals vor 60.000 Leuten. Das ist pures Adrenalin, ein Rausch, der mir eine unglaubliche Energie gegeben hat. Deshalb ist auch meine Musik jetzt energetischer geworden – mutiger und nicht mehr nur so nachdenklich wie früher.“

 

INFO

Joris tritt am 5. 11. im Wiener WUK auf. Karten gibt es unter www.oeticket.com.

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