Kultur
03/21/2019

John Mayall in Wien: Blues-Handwerker mit Leidenschaft

Der britische Musik-Pionier wurde bei seinem Auftritt im seit Wochen ausverkauften Porgy & Bess umjubelt.

Kingmaker“ nennt man John Mayall in der britischen Musikszene. Denn seine Band Bluesbreakers war in den 60er-Jahren prägend für die, die später zu den Großen der Rock-Ära wurden: Eric Clapton und Jack Bruce spielten mit John Mayall, bevor sie Cream gründeten, Jon Hiseman und Dick Heckstall-Smith, bevor sie in Colosseum zusammen waren. Auch Mick Taylor (Rolling Stones) und John McVie, Mick Fleetwood und Peter Green (alle Fleetwood Mac) gingen durch seine Blues Schule. 

Obwohl Mayall so viele inspiriert und so vieles initiiert hat, wurde er selbst nie so berühmt wie seine Musiker. Still und bescheiden hat er trozdem seither sein Ding immer weiter gemacht, 60 Jahre lang mehr als 40 Alben veröffentlicht, und dazwischen immer live gespielt. Jetzt ist er 85, wieder auf Tour, wieder im Porgy & Bess in Wien zu Gast und wieder der Inbegriff von in Würde gealtertem Musiker. 

Er wechselt zwischen einer Hammond Orgel und einem E-Piano, zückt zwischendurch die Mundharmonika und zeigt, welche Spielarten der Blues bietet: The Moon Is Full“ ist aufgeregt und treibend, A Special Life“ bedächtig, entspannt und von Country-Klängen durchtränkt, Walking On Sunset“ ist ein lustiger, mitreißender Boogie.

Mayall war nie ein Star-Virtuose, eher ein nüchterner Blues-Handwerker, der sein Handwerk über alles liebt und deshalb gut ist. Dass er mit fortschreitendem Alter auch kein Virtuose mehr werden wird, zeigt sich, als er zur Gitarre wechselt. Die Soli kommen ihm dabei nicht so flüssig aus den Fingern wie die Piano-Töne. Aber Mayall kennt seine Grenzen und umgibt sich heute - genau wie damals in seinen Anfängen - mit hervorragenden Musikern. 

Immer wieder holt er sie ins Rampenlicht, lässt Bassist Greg Rzab, Drummer Jay Davenport, aber vor allem die texanische Gitarristin Carolyn Wonderland solieren und bei Improvisationen die Führung übernehmen. Er steht dann wie ein Sideman da, klopft ein, zwei Akkorde ins Keyboard, hört strahlend zu und ruft dann die Namen seiner Musiker, um das Publikum damit zu einem Applaus anzustacheln.

Vor allem wenn Wonderland dran ist, muss er darum nicht lange bitten. Die Texanerin spielt nicht nur packende Soli, sondern singt auch brillant und liefert mit ihrer Version von Aint Nobodys Fault But Mine“ einen Höhepunkt, der Mayall fast die Schau stiehlt. 

Auch das stört ihn nicht. Er hat sichtlich Spaß an dem Zusammenspiel seiner Band, das jetzt, nachdem es anfangs nicht ganz sauber gelang und erst wie eine rostige Maschine warmlaufen musste, immer besser wird. Damit steigert sich auch die Stimmung von Song zu Song, bis Mayall nach fast zwei Stunden unter frenetischem Jubel abgeht. Euphorisiert fordern die Zuschauer eine weitere Zugabe. Doch da sitzt Mayall längst im Foyer und schreibt Autogramme – immer noch ganz Handwerker statt Star, immer noch strahlend.