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Kultur
11/13/2019

Joan As Police Woman in Wien: Sehnsüchtig, sinnlich, intensiv

Die klassisch ausgebildete Musikerin spielte im Porgy & Bess ein emotional höchst intensives Solo-Konzert

von Brigitte Schokarth

Einmal, erzählte Joan As Police Woman, bei ihrem Konzert im Wiener Porgy & Bess, habe sie sich in jemanden verliebt, den sie nur fünf Minuten gesehen hatte. Weil er 600.000 Meilen entfernt wohnte, forderte sie ihn in einem Brief auf, mit ihr „waghalsig“ zu werden. Seine Antwort: „Ich will mit dir nicht waghalsig werden!“ Der Schluss der Musikerin: „Mit jemandem, der auf so viel Drama nicht anspringt, könnte ich es eh nicht aushalten!“

Festgehalten hat sie das in dem Song „Real Life“, der typisch für die 49-Jährige ist: Sie schreibt getragene, emotional höchst dichte Songs über die Liebe, die von sanften Jazz-Einflüssen durchzogen sind und die Melodien in den Fokus stellen.

Beim Konzert im Porgy & Bess wurde das dadurch verstärkt, dass die als Joan Wasser geborene Amerikanerin solo auftrat. Zu Gitarre oder Klavier (nur zweimal kam ein Drum-Computer dazu) sang sie sich durch Perlen wie „Tell Me“, „Christobel“ und „Human Condition“ und gab den Zusehern das Gefühl, ihr, ihren Sehnsüchten und Herzensbrüchen so nah zu kommen, wie es sonst nur die beste Freundin zulässt.

Bevor Joan As Police Woman (den Künstlernamen nahm sie an, weil sie einer Schauspielerin der Serie „Police Woman“ ähnlich sieht) solo durchstartete, studierte sie Klavier und Violine und spielte bei Antony And The Johnsons.

Von der dabei erworbenen Virtuosität am Klavier (die Violine blieb im Koffer) war in Wien nicht viel zu hören. Aber es war gerade diese simple Instrumentierung, mit der Joan As Police Woman ihren Songs eine einnehmende Intensität gab. Der absolute Höhepunkt war aber die Coverversion von „Kiss“, der sie mit spartanischen Gitarrentönen und ausdrucksstarkem Gesang eine Sinnlichkeit einhauchte, die Prince nicht erreicht hatte.