Ennio Morricone - The Farewell Tour live in Berlin

© EPA / HAYOUNG JEON

Kultur
07/06/2020

Italienische Filmmusiklegende Ennio Morricone gestorben

Seine Musik war so ikonisch wie die Filme, für die er sie komponierte. Nun starb Ennio Morricone im Alter von 91 Jahren.

Millionen Menschen kennen seine Melodien. Morricone sorgte für Gänsehaut, für Spannung, für die ganz großen Moment im italienischen und im Weltkino.

Nun starb Ennio Morricone im Alter von 91 Jahren. Laut internationalen Medienberichten erlag er in der Nacht auf Montag in einer römischen Klinik den Folgen eines Sturzes. Morricone hatte sich vor ein paar Tagen den Oberschenkelknochen gebrochen. 

Wie Morricones Anwalt und Freund Giorgio Assumma in einer Pressemitteilung berichtete, starb der Maestro am frühen Montag. "Der Maestro war bis zum Schluss anwesend und voller Würde", teilte Assumma mit. Der Filmkomponist konnte sich von seiner Frau Maria verabschieden sowie von Kindern und Enkelkindern. Er habe sich auch bei dem Publikum bedankt, von dem er stets Unterstützung für seine Kreativität erhalten habe, so der Anwalt.

Ein Meister des Sounds

Der Dirigent komponierte in den letzten Jahrzehnten die Musik für mehr als 500 Filme, darunter für viele Klassiker wie Brian De Palmas "The Untouchables - Die Unbestechlichen" oder Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Für eine Handvoll Dollar". Für seine Leistungen wurde Morricone dutzendfach geehrt. Viele seiner Soundtracks sind weltweit bekannt - allen voran die Mundharmonika-Melodie aus dem Western-Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" aus dem Jahr 1969.

Doch auch 50 Jahre danach hatte der gebürtige Römer noch nicht genug von der Musik. Bis zuletzt arbeitete er an neuer Filmmusik und ging mit Orchester 2019 noch auf "Farewell Tour". Damit wollte er seinen Abschied von den Konzertbühnen der Welt gebührend feiern. Er brachte in Moskau, Paris, London, Berlin und Budapest eine  ambitionierte Werkschau auf die Bühne. "Meine Werke ein letztes Mal live für Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Herkunft aufzuführen, ist toll", erklärte Morricone.

Maestro Ennio Morricone geht mit 90 auf Abschiedstournee

Römer mit Leib und Seele

Geboren ist Morricone im Römer Stadtteil Trastevere in einer musikbegeisterten Familie mit vier Geschwistern. Sein Vater war Trompeter und auch Morricone interessierte sich schon als Kind für die Musik, begann im Alter von sechs Jahren zu komponieren. 1938 schrieben ihn seine Eltern am Konservatorium in Rom ein, wo er Diplome in Komposition und Trompete erwarb und danach zunächst in Orchestern spielte.

Von 1964 an arbeitete Morricone gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden, dem Regisseur Sergio Leone, für dessen Filme, "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Zwei glorreiche Halunken" (1966) und "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968), er die Musik schrieb, sowie mit Bernardo Bertolucci. Leone beteuerte immer wieder die Wichtigkeit von Morricones Musik für seine Filme, da dieser Dinge auszudrücken vermag, die sonst in Bildern hätten dargestellt werden müssen.

Später Oscar mit Tarantino-Film

Im Laufe seiner Karriere arbeitete der Römer mit weltbekannten Regisseuren wie Roman Polanski, Oliver Stone und Margarethe von Trotta zusammen. Aber auch klassische Musik und Fernseh-Melodien hat er komponiert. 2007 erlebte Morricone mit dem Oscar für sein Lebenswerk die Krönung seiner Karriere, nachdem er zuvor die Hoffnung auf die begehrte Trophäe fast schon aufgegeben hatte. Fünfmal war der Italiener nominiert worden, aber leer ausgegangen. 2016 erhielt er im Alter von 87 Jahren dann den ersten Oscar für eine spezielle Filmmusik, jene zu Quentin Tarantinos Western "The Hateful Eight".

Die Zusammenarbeit mit den Filmemachern beschrieb Ennio Morricone in einem Interview mit Die Zeit als oft problematisch und schwierig: Früher habe er Regisseuren vorab noch Auszüge der Musik vorgespielt. "Dann geschah es immer wieder, dass sich der Regisseur für eine Szene die falsche Melodie rauspickte. Ich musste dann ewig mit ihm diskutieren, das war oft zum Verzweifeln. Der Regisseur hat oft eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welche Musik dem Film guttun würde. Aber seine Vorstellungskraft beschränkt sich natürlich auf das, was er schon kennt. Und wenn das nicht besonders viel ist, wird es schwer, ihm unkonventionelle Ideen zu vermitteln. Man kann auch nicht alles in Worten erläutern, manchmal muss einfach eine Melodie reichen. Eigentlich ist es für einen Komponisten fast unmöglich, dem Regisseur eine Musik näherzubringen, die der nicht versteht."

Kein Englisch

Trotz seiner internationalen Erfolge war der grauhaarige Italiener mit der Hornbrille immer auf seine Privatsphäre bedacht. Morricone war seit 1956 mit Maria Travia verheiratet, gemeinsam hatte das Paar drei Söhne und eine Tochter. Einer der Söhne arbeitet ebenfalls als Komponist.

Nach Hollywood wollte er nie ziehen, auch weil er kein Englisch kann. Am liebsten komponierte er im stillen Kämmerchen zuhause in Rom. Der introvertierte Italiener blieb immer lieber im Hintergrund, Glamour war ihm fremd. Lange Zeit komponierte er unter zwei Pseudonymen. Preise waren ihm eher egal. "Erfolg kann schon befriedigend sein, aber die Musik muss stets pur und korrekt sein, niemals bloß ein Vehikel, um anerkannt zu werden", schrieb er in seinem Erinnerungsbuch "Life Notes" ("La musica e oltre").

In memoriam Ennio Morricone

Italien und der Rest der Welt hat mit Ennio Morricone einen der herausragensten und einflussreichsten Filmmusikkomponisten des 20. Jahrhunderts verloren. Die italienische Politik zollte dem weltbekannten Künstler Respekt. Es sei ein "trauriger Tag" für das Land, erklärte Kulturminister Dario Franceschini. "Ich werde nie seine Energie und seine Kraft vergessen, die er auch nur mit einem Blick vermitteln konnte", sagte er über Morricone. "Wir werden immer mit endloser Dankbarkeit Morricones Künstlergenie in Erinnerung behalten. Er hat unvergessliche Noten geschrieben, die in der Geschichte der Musik und des Films nicht zu löschen sind", twitterte Premier Giuseppe Conte.

Italiens Präsident Sergio Mattarella trauerte um "einen genialen Künstler": "Morricone hat eine tiefe Spur in der Musikgeschichte des zweiten Teils des 20. Jahrhunderts hinterlassen. Mit seiner Filmmusik hat er auf großartige Weise dazu beigetragen, Italiens Prestige in der Welt zu steigern." "Er wird mir als Mensch und als Künstler fehlen", sagte sein Kollege, Dirigent Riccardo Muti. "Wir waren in Freundschaft verbunden, ich bewunderte ihn. Ich habe sein Werk 'Stimmen in der Stille' in Ravenna und Chicago dirigiert. Er war ein großartiger Künstler nicht nur wegen seiner Filmmusik, sondern auch wegen seiner klassischen Stücke."

In memoriam Ennio Morricone ändert der ORF sein Programm und bringt im "Kulturmontag" (22.30 Uhr auf ORF 2) einen Nachruf. Außerdem wird am morgigen Dienstag um 23.50 Uhr auf ORF1 der Western "Für eine Handvoll Dollar" ausgestrahlt.

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