Dirigent Mehta sagt aus Protest Konzerte mit Israelischer Philharmonie ab
Der Dirigent Zubin Mehta hat aus Protest gegen die Politik der israelischen Regierung alle geplanten Konzerte mit der Israelischen Philharmonie abgesagt. Dies sagte der 89-Jährige in einem Videointerview mit dem indischen Nachrichtenmagazin India Today, das während von ihm geleiteter Konzerte der Belgrader Philharmonie in Mumbai geführt wurde.
Mit seiner Entscheidung wolle er deutlich seinen Widerspruch gegen den Umgang von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit der Palästinenserfrage zum Ausdruck bringen, erklärte Mehta, wie die römische Zeitung La Repubblica am Montag berichtete. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die kommenden Wahlen zu einem politischen Wechsel in Israel führen würden.
"Musik und Politik lassen sich nicht voneinander trennen"
Mehta, der seit Jahrzehnten eng mit der Israelischen Philharmonie verbunden ist, betonte, er habe rund 50 Jahre mit dem Orchester gearbeitet und dabei nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich viel gelernt. Zugleich erklärte er, Musik und Politik ließen sich für ihn nicht voneinander trennen. Andere Künstler entschieden sich zwar bewusst dafür, politische Fragen auszublenden, er selbst könne diesen Weg jedoch nicht gehen.
Mehta verwies dabei auf seinen langjährigen Freund und Kollegen Daniel Barenboim, der mit seiner West-Eastern Divan Orchestra junge israelische und palästinensische Musiker zusammenbringe. "Ich kann Musik nicht von Politik trennen. Wie viele andere Kollegen auch. Natürlich gibt es auch jene, die es schaffen: Sie schließen die Augen und wenden den Kopf ab", so der Dirigent.
Erfahrungen mit Antisemitismus bei Studienzeit in Wien
Der in Indien geborene Dirigent, der Ehrenmusikdirektor auf Lebenszeit des Opernhauses Maggio Musicale Fiorentino in Florenz ist, berichtete zudem von persönlichen Erfahrungen mit Antisemitismus, denen er erstmals während seiner Studienzeit in Wien begegnet sei. "In Indien hatte ich keine Erfahrung mit Antisemitismus. Ich begann, Antisemitismus als Student in Wien kennenzulernen, als der Hausbesitzer mir untersagte, jüdische Freunde einzuladen", sagte Mehta.
Bereits in der Vergangenheit hatte Mehta politische Positionen öffentlich vertreten. Vor einigen Jahren kritisierte er die restriktive Politik gegenüber Muslimen in Indien, die von hinduistischen Fundamentalisten verfolgt werde.
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