Isabelle Faust im Musikverein: Eine Sternstunde mit Kammermusik

Geigerin Isabelle Faust und Pianist Alexander Melnikov brillieren im Musikverein.
Isabelle Faust und Alexander Melnikov.

Wie oft kommt es vor, dass man beseelt ein Konzert verlässt, dass man von Sternstunden berichten kann?

Die Geigerin Isabelle Faust und der Pianist Alexander Melnikov ließen im Brahms-Saal des Musikvereins so etwas erleben. Diese beiden Musikerpersönlichkeiten sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Faust, eine der gefragtesten Geigerinnen heute, ist in allen Epochen zu Hause. Sie packt mit ihren Interpretationen selten aufgeführter Barock-Musik ebenso wie mit Werken des 20. Jahrhunderts.

Mit „Fünf Melodien für Violine und Klavier“ von Sergej Prokofjew hob sie diesen besonderen Abend an, brachte ihre Geige zum Singen, während Melnikov impressionistische Momente generierte. Einen Einblick in die geplagte Seele von Dmitri Schostakowitsch gewährten die beiden mit dessen Violinsonate in G-Dur. Die Flageolett-Töne der Geige kontrastierte das Klavier mit eindringlichem Hämmern und Donner. Jäh changierte das Geschehen zwischen sanftem Gesang und Bizarrerien. Da wurde der Sarkasmus des Komponisten virtuos in Töne gefasst.

Bei Arnold Schönbergs „Fantasie für Violine und Klavierbegleitung“ war die elektrisierende Spannung im Saal zu spüren. Faust gab sich wie in freien Assoziationen ihrem Spiel hin, wiegte sich zu angerissenen Walzerpassagen, intonierte mit Präzision. Melnikov hielt sich mit seiner Begleitung vornehm zurück.

Wie man eine Geige zum Schwärmen bringt, konnte man bei der Sonate Nr. 2 in e-Moll von Ferruccio Busoni erleben. Der forderte Emotionen. Das setzte Faust mit Intensität und Eloquenz um. Ihr Vibrato war feinst dosiert. Sublim hob sie das Expressionistische, aber auch romantisch anmutende Momente heraus. So klingt vollkommenes Musizieren. Zum atemberaubenden Geschenk geriet ein „Nocturne“ von John Cage als Zugabe. Das Publikum drückte seine Zustimmung aus.

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