© Constantin/Leonine

Kultur
08/20/2021

Interview zum Film "Beflügelt": Befreiung von dunklen Erinnerungen

Samantha und Cameron Bloom, die Autoren hinter dem Kinofilm, im Gespräch über ihren Schicksalsschlag, ihr Leben mit einer Elster und wie es ihnen gelungen ist, wieder Lebensmut zu fassen.

von Gabriele Flossmann

Im Film „Beflügelt – Penguin Bloom“ bringt ein Vogel Trost und Lebensmut in eine Familie, die ein Schicksalsschlag getroffen hat.

Penguin ist eine Elster, schwarz-weiß gefiedert. Als Junges ist sie aus dem Nest gefallen, bei starkem Wind, buchstäblich vor die Füße der Familie Bloom. Und das ist geradezu sinnbildlich. Denn bei den Blooms herrscht Trauer, Chaos und Verzweiflung, seitdem Mutter Sam nach einem Unfall in Thailand querschnittsgelähmt ist.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Oscar-Preisträgerin Naomi Watts spielt Samantha Bloom mit viel Einfühlungsvermögen und großem schauspielerischem Einsatz.

Das Ehepaar Samantha und Cameron Bloom hat die Schicksalsschläge und das Zusammenleben mit der Elster in einem Buch beschrieben, das auf Anhieb zum Bestseller wurde – auch auf dem deutschsprachigen Markt.

KURIER: Beim Lesen des Buches denkt man, dass vielleicht Vieles, was der Vogel kann und tut, von Ihnen hineininterpretiert wurde. Aus diesem Grund war es auch schwer vorstellbar, einen Vogel zu finden, der im Film so überzeugend agieren kann. Waren Sie beim Training dabei?

Cameron Bloom: Wir sind keine Tier- oder Vogeltrainer, aber wir haben natürlich unsere Tipps gegeben, damit die Filmleute wissen, wie sich unser Penguin verhalten hat, und welche Kunststücke der Vogel können sollte. Letztlich hat einer allein dazu nicht gereicht (lacht). Für die Dreharbeiten wurden gleich mehrere Elstern gebraucht – zu dieser Gattung gehörte unser Penguin. Den Namen haben übrigens unsere Kinder gefunden – wegen des schwarz-weißen Gefieders. Es mussten also Küken, Jungvögel, die gerade flügge werden, und erwachsene Elstern gefunden und trainiert werden. Dann mussten diese Elstern auch noch verschiedene Eigenschaften und Vorlieben haben. Eine, die sich gerne angreifen und streicheln ließ, eine, die gerne auf den Schultern von Menschen sitzt – und dann natürlich auch noch Exemplare, die sich so richtig aufplustern und ärgern können. Das haben sie wirklich toll hingekriegt.

Sie haben nach Ihrem Unfall mit dem Leben gehadert. Können Sie den Moment beschreiben, als Sie wieder Lebensmut gefasst haben? Hatte das auch im wirklichen Leben so viel mit Penguin zu tun?

Samantha Bloom: Es hatte tatsächlich sehr viel mit Penguin zu tun. Ihm konnte ich ja nicht sagen, dass er den Schnabel halten und mich nicht bedauern soll (lacht). Ich hatte mich nämlich zu dieser Zeit emotional sehr zurückgezogen und wollte keine Anteilnahme, die mich noch mehr an mein Schicksal erinnerte. Es waren aber auch die Wanderungen in der Natur, die mein Mann und meine Kinder mit mir unternommen haben, obwohl ich im Rollstuhl saß. Der Verdienst von Penguin war es auf jeden Fall, dass er mir zugehört hat. Mit großem Verständnis. Zumindest hatte ich allen Ernstes diesen Eindruck. Es lag und liegt mir nicht, den Fokus der Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Schon gar nicht mit meinen Leiden. Damals habe ich meine dunklen Gedanken nur meinem Laptop anvertraut – und Penguin.

Ihre Schilderungen, wie Sie mithilfe eines Vogels zurück ins Leben gefunden haben, wurden zum Bestseller. Wollten Sie Menschen Mut geben, die ähnliches erlebt haben?

Samantha Bloom: Mit diesem Buch wollten wir uns selbst von den dunklen Erinnerungen an die schwierige Zeit befreien. Und natürlich wollten wir auch anderen Menschen Mut machen, ihre Schicksalsschläge zu bewältigen. Es muss nicht ein schwerer Unfall sein – es gibt auch andere Schicksalsschläge, die den Lebensmut rauben können.

Gerade in der letzten Zeit wird viel über die Intelligenz von Vögeln – speziell Rabenvögeln – geforscht und auch viel über die therapeutische Wirkung von Tieren. Was ist Ihre Meinung dazu?

Cameron Bloom: Wir halten sehr viel – sowohl von der Therapiewirkung als auch von der Intelligenz der Tiere. In unserer Jugend hatten wir zwar keine Vögel als Haustiere, sondern sind mit Hunden aufgewachsen, aber damals schon haben wir gemerkt, dass Menschen von Tieren lernen können, und nicht nur umgekehrt. Seit unseren Erlebnissen mit Penguin sehen wir das noch sensibler.

Samantha Bloom: Das großartige an Tieren ist, dass man ihnen alles anvertrauen kann. Sie hören zu und richten nicht.

Wenn ich Sie hier nun sitzen sehe, habe ich den Eindruck, dass Sie mit sich und dem Leben mit einer Behinderung ins Reine gekommen sind. Denken Sie noch an ein weiteres Buch? Um den Lesern und womöglich auch dem Kinopublikum zu erzählen, wie man das Leben auch weiterhin im Griff behält?

Cameron Bloom: Tatsächlich haben wir inzwischen ein weiteres Buch geschrieben, das im Oktober in Deutschland herauskommen soll. Es erzählt die Geschichte von Sam vor dem Unfall, von ihren sportlichen Aktivitäten und auch wie sie danach wieder in einer adaptierten Form als Behinderte Sport beitreibt. Die Geschichte enthält auch viele Fotografien von mir.

Wie war es, als Sie den Film zum ersten Mal sahen?

Samantha Bloom: Wir waren begeistert von Naomi Watts und ihrem einfühlsamen Spiel. Sie sagte uns schon vorher, dass Sie sich total in die Figur hineinfühlen konnte, weil auch sie Mutter ist und daher weiß, was es bedeutet, wenn man plötzlich nicht mehr so viel für sie tun kann wie vor dem Unfall.

Waren Sie als Ehemann, der alles für seine Frau tut, aber nicht zu ihr durchdringen kann, eifersüchtig auf den Vogel, der es schaffte, den Eisblock um ihre Emotionen zu sprengen?

Samantha Bloom: Sie fragt ob du eifersüchtig warst (lacht). Warst du das?

Cameron Bloom: Nein, keinen Moment. Ich war ihm dankbar für das, was er geschafft hat.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.