Kultur
05.12.2016

In Wien findet gerade eine Selbstreinigung statt

In der Wiener Clubkultur regt sich gerade wenig. Grell leuchtet nur die Forelle.

Die Clubkultur in Wien unterliegt – wie vieles andere im Leben auch – Schwankungen. Mal geht es bergauf, eröffnen Clubs, mal geht’s bergab, und es werden Tanzflächen geschlossen. Die Szene ist dynamisch. Derzeit findet ein gewisser Selbstreinigungsprozess statt. Nach Jahren der Aufbruchsstimmung, der "Wien wird immer mehr Berlin"-Stimmung, stagniert die Euphorie derzeit. Künftige Tendenz: sinkend. Abgesehen von der Grellen Forelle und vielleicht noch der neu adaptierten Pratersauna gibt es in Wien keinen einzigen Club von internationaler Bedeutung. Das Flex hätte dazu durchaus Potenzial, braucht dafür aber eine Neuaufstellung. Und die Veranstalter, die in kleineren Clubs in der Innenstadt ihre Partys schmeißen, können zwar hin und wieder mit feinem Line-up überzeugen, aber die fehlende Qualität in puncto Soundanlage oftmals nicht wettmachen. Das Problem: Club und Wohnzimmer trennen manchmal nur Meter, oder gar nur dünne Wände: Anrainerbeschwerden sind die Folge. Im schlechtesten Fall muss der Club schließen (Ost Klub, Morrison Club), im Normalfall läuft es auf eine nicht zufriedenstellende Kompromisslösung hinaus (Bettelalm). Was Wien, zweitgrößte deutschsprachige Stadt Europas, in der alleine 200.000 Studenten leben, benötigt, sind Räume, in denen man auch nach 22 Uhr laut sein darf.