© Smeeta Mahanti

Literatur
07/06/2019

Hymnisch gefeierter Roman: "Die Brandstifter" von R.O. Kwon

Was gefiel den amerikanischen Kritikern so? Die Geschichte über religiösen Fanatismus und Machtrausch ist gar nicht explosiv.

von Peter Pisa

In San Francisco, wo die gebürtige Südkoreanerin lebt, ist sie ein Star, Reporter wollen von R. O. Kwon - Foto oben -  wissen, wie sie ihre Haut pflegt. (Mit Schönheitswasser Marke Son & Park, vielleicht ist es ja wirklich empfehlenswert ...)
 Ihren ersten Roman „Die Brandstifter“ besprachen amerikanische Kritiker  euphorisch.
Das wird’s  hier nicht spielen. Die  Geschichte hat einen interessanten Sound, aber manchmal wirkt sie so gestylt, und leider ist sie gar nicht explosiv. Trotz der Themen: religiöser Fanatismus (christlich), Machtrausch (männlich) ...
Es springen keine Funken über, es brennt nichts.
Wie soll es auch?
Ein Beispiel: Es gehen zwei Studenten der – fiktiven – New Yorker  Edwards University über den Campus, Phoebe und Will. Sie haben einander  lieb –  nicht mehr so lieb wie zu Beginn.
Sie hat eine Hand in der Gesäßtasche seiner Jeans ... und jetzt kommt ein Zitat, es redet der junge Mann, Will:
„Der Faden zwischen uns wurde weniger straff, und der Durchhang wickelte sich wie eine erschöpfte Schlange zwischen unseren verbundenen Füßen auf.“
 Bei  durchhängendem Faden und  Wickelschlange kann beim Lesen von „Die Brandstifter“ kaum  Feuer entfacht werden.
Obwohl die radikalisierten Jungen mehrere gynäkologische Kliniken in die Luft jagen, weil dort Abtreibungen durchgeführt wurden.

Befreiung

Sie gehorchten dem Befehl von John Leal, der sie an der Uni rekrutiert hatte. Phoebe scheint sein  Liebling zu sein. Zunächst ließ er  seine Gruppe bloß Sachen machen wie: Grabt  große Löcher in die trockene, feste Erde  – und danach schüttet sie zu.
Das befreie den Kopf, hat John Leal gesagt.
Dann sei  mehr Platz für den Heiligen Geist.
Seine Anhänger wunderten sich nicht. Sondern  folgten brav. So konnte John Leal  erkennen, ob er einen Schritt weiter gehen kann in seiner Herrschaft.
Angeblich war er im nordkoreanischen Gulag und hat dort gesehen, wie Menschen verhaftet wurden, weil sie ein Zeitungsfoto  des Obersten Führers  mit einem Tropfen Tee angepatzt hatten. Trotzdem verwünschen sie den Diktator nicht, sondern verehrten ihn weiterhin.
So etwas  – er an der Spitze –  probierte Leal anschließend in Amerika aus. Die Menschheit brauche Heilung, predigt er. Schmerz sei notwendig.
Phoebes Freund Will durchschaut den Scharlatan. Aber Phoebe, von Schuldgefühlen gebeutelt, weil sie einen Autounfall verursacht hatte, bei dem ihre Mutter starb, ist ein leichtes Opfer des Anführers.
Die beste Szene ist eine kleine Beobachtung: Der Terrorchef greift, und zwar gleich am Anfang der Bekanntschaft greift er, in Phoebes Handtasche und schaut sich den Inhalt an. Einfach so. Er testet seine Macht.
Man möchte rufen: Phoebe, hau’ dem Kerl eine runter. Aber sie lässt es geschehen.


R.O. Kwon:
„Die
Brandstifter“
Übersetzt von
Anke Caroline Burger.
Liebeskind Verlag.
240 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern