Berührende, getanzte Hommage an Freddie Mercury

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Maurice Béjarts "Ballet for Life“ in der Wiener Stadthalle als Hommage an Freddie Mercury und an Jorge Donn.

Von Silvia Kargl

The Show Must Go on – fast drei Jahrzehnte nach der Uraufführung ist Maurice Béjarts legendäres „Ballet for Life“ im Rahmen eines Gastspiels des Béjart Ballet Lausanne in der Wiener Stadthalle zu sehen. Zu bewundern ist dabei nicht nur, wie es dem 2007 verstorbenen Béjart gelang, die Ästhetik des klassischen Balletts auf Musik von Queen zu übertragen.

Im Zusammenwirken von Musik, Tanz, Inszenierung und Kostümen des Modeschöpfers Gianni Versace ist das abendfüllende Tanztheater eine Hommage an Queen-Frontman Freddie Mercury und an Jorge Donn, den Startänzer aus Béjarts Ballettcompagnie, beide jung 1991 und 1992 gestorben.

Mitreißend gestaltet

Die Tänzerinnen und Tänzer des Béjart Ballet sind heute technisch auf einem höheren Level unterwegs als zu seinen Lebzeiten. Das zeigt sich in mitreißend getanzten Ensembleszenen wie dem „Seaside Rendez-Vous“.

Während Ensembleszenen im zeitgenössischen Tanz heute oft abstrakt oder wie von einer Gruppe vervielfältigte Soli wirken, entstanden Béjarts Gruppenchoreografien immer in Kommunikation mit den Partnern auf der Bühne. Seine Idee vom Tanz hat weniger mit dem Suchen nach innovativen Bewegungen und Virtuosentum zu tun, es geht umso mehr um Menschlichkeit und individuelle Qualitäten. So gibt es in Wien ein Wiedersehen mit Elisabeth Ros, für die Béjart viele Rollen kreierte, darunter eine symbolhafte Braut in „Ballet for Life“. Dass sie diese Rolle auch nach drei Jahrzehnten noch tanzt, gibt es in der Tanzwelt sonst fast nur mehr bei Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal zu sehen.

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Expressive Körpersprache

Auch Oscar Eduardo Chacóns Biografie reicht bis Béjart zurück. Er erinnert in Soli an Jorge Donn, kommt mit seiner expressiven Körpersprache tatsächlich in dessen Nähe. Als Freddie Mercury wirkt Angelo Perfido mehr als Rockstar denn als Balletttänzer, ganz wie Béjart es wollte. Donns und Mercurys Sterben, das einen Kontrast zur auf der Bühne vermittelten Lebensfreude bildet, sind berührende Szenen gewidmet. Im Finale stand früher Béjart auf der Bühne. Auf den ersten Blick nahm er persönlich Gratulationen und Dank des Ensembles für eine gelungene Show entgegen. Heute steht an seiner Stelle ein Porträtfoto, und immer noch erinnert dieses Bild zugleich an einen Abschied am offenen Grab und die Entgegennahme von Beileidsbekundungen. Donn war für ihn Muse und Lebenspartner.

KURIER-Wertung ****1/2 von *****

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