Kultur
01.07.2018

Hollywood Vampires: Muntere Hommage an Rocks exzessive Stars

Auch wenn er gern im Dunkeln steht Johnny Depp (li.) ist der größte Star der All-Star-Band, die Samstag in Klam gastierte.

Hinter „dem Blut des Weines, nicht der Venen“, sagt Alice Cooper, seien seine Vampire her. 2015 formierte er diese Band und nannte sie nach einem Trink-Club, den er in den 70ern gegründet hatte.

„Wir trafen uns im Rainbow in L.A.“, erklärt er. „Ich, Keith Moon, John Lennon und viele der anderen Legenden der Rock-Szene. Sie nannten uns Hollywood Vampires, weil sie uns nur in der Nacht und nur trinkend sahen. Mit der Band wollen wir jetzt all unseren Freunden, die dort jede Nacht mit uns getrunken haben und gestorben sind, ein Denkmal setzen.“

Mit „wir“ meint Cooper den Aerosmith-Gitarristen Joe Perry und Film-Star Johnny Depp. Sie haben 2015 ein Album mit Cover-Versionen von Songs ihrer verstorbenen Freunde und zwei Eigenkompositionen veröffentlicht. Für den 55-jährigen Depp, der seine Rolle als Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ nach seinem Idol, dem Stones-Gitarristen Keith Richards modelliert hatte, war Coopers Angebot bei Hollywood Vampires mitzumachen, die Chance, einen schon begrabenen Traum wieder beleben zu können.

Glücklich

„Musik war meine erste Liebe“, erzählte Depp Red Carpet News TV. „Als ich zwölf war, begann ich, Gitarre zu spielen und habe nie damit aufgehört. Als ich dann als Schauspieler bekannt wurde, dachte ich, das mit dem Musikmachen ist vorbei. Jetzt wurde der Traum doch noch Realität. Und auch noch so so, dass ich nicht das lächerliche Zeug als Frontmann machen muss. Ich stehe im Dunkeln, spiele Gitarre und bin glücklich.“

Natürlich steht Depp bei den Shows der Hollywood Vampires nicht im Dunkeln. Auch auf der Burg Clam wird der Leinwand-Star mit dem größten Jubel begrüßt und es gibt Gekreische, wenn er auf den Videoschirmen zu sehen ist. Musikalisch gerechtfertigt ist das aber nicht.

Zwar hat Depp die Gestik von Keith Richards perfekt drauf, aber er steht neben dem grandiosen Joe Perry auf der Bühne. Da fällt noch viel mehr auf, dass er sich bei seiner Rhythmusgitarre häufig nur auf das Betonen des Anfangs eines Taktes mit einem satten Power-Akkord beschränkt. Zwischendurch spielt er ein Riff, oder lässt für eine Viertel-Minute ein Mini-Solo vom Stapel.

Beeindruckend ist er aber als Sänger: Bei „People Who Died“ (Jim Carroll Band) und „Heroes“ (David Bowie) spielt er sein Charisma voll aus, macht sich diese Songs mit erzählerischer Interpretation zu eigen – und so zu Höhepunkten der Show.

Den Großteils des Sets, das neben „Baba O’Riley“ (The Who) und „Ace Of Sapdes“ ( Motörhead) auch neue Vampires-Eigenkompositionen enthält, singt aber Alice Cooper. Unterstützt wird er auch von der hervorragenden Rhythmusgruppe Chris Wyse (Bass) und Glen Sobel (Drums). Mit ihren Fähigkeiten könnte die All-Star-Truppe ein viel variantenreicheres Konzert bieten. Mit dem Fokus auf Depp und Perry verliert sich der Sound oft in einem undifferenzierbaren Brei aus forsch dahinschrammenden Gitarren.

Spaß macht diese Hommage an die exzessiven Legenden der Rockmusik trotzdem. Denn sie ist getragen von der lustvollen Energie von Leuten, die das nicht machen müssen, sondern wollen.