© Blizzard/Rabcat

Kultur
07/28/2019

Hilfe für Videospiel-Giganten: Wiener Studio arbeitet bei "Fortnite" mit

Das Wiener Studio Rabcat arbeitet seit 18 Jahren an den weltweit erfolgreichsten Spielen mit.

von Michael Leitner

Es gibt wohl nur wenige Unternehmen, die von sich behaupten dürfen, an mehreren der erfolgreichsten Videospielen aller Zeiten mitgearbeitet zu haben. Dem Wiener Grafikdienstleister Rabcat ist dieses Kunststück gelungen. Das Unternehmen arbeitet unter anderem an Fortnite, dem vor allem bei Jugendlichen beliebten Comic-Shooter, mit. Weltweit wird der Titel von mehr als 250 Millionen Menschen gespielt, Entwickler Epic nahm damit allein im Vorjahr mehr als 2,4 Milliarden US-Dollar ein.

Dass ein derartiges Studio, das mehr als 1000 Mitarbeiter hat, Hilfe von einem Wiener Unternehmen benötigt, mag für Außenstehende ungewöhnlich erscheinen. Doch gerade große Videospiel-Konzerne greifen gerne auf Dienstleister wie Rabcat zurück. „Es ist für den Entwickler sehr gut kalkulierbar“, erklärt Matthias Pokorny, Head of Game Art bei Rabcat.

Vor allem bei sogenannten „Free to Play“-Titeln wie Fortnite funktioniere das am Besten. Das Spiel selbst ist kostenlos, Spieler können aber kosmetische Inhalte wie Charaktere, Kleidung und Animationen kaufen, um sich von der Masse abzuheben.

30 Tage für ein Modell

Rabcat liefert seit Ende 2018 im Monatstakt ein bis zwei neue Charaktere als 3-D-Modelle. „Wir sind schon recht teuer und trotzdem haben das viele Firmen bereits an einem Tag eingespielt“, sagt Pokorny. Neben Epic Games zählt man mit Blizzard derzeit einen weiteren namhaften Kunden. Der US-Konzern, der mit Titeln wie World of Warcraft und Diablo weltbekannt wurde, hat mit Overwatch einen Fortnite-ähnlichen Shooter im Angebot. Das Spiel ist nicht kostenlos, doch auch hier werden Spielern kostenpflichtige kosmetische Inhalte verkauft. Rabcat erstellt bereits seit 2013 für Overwatch Outfits, Waffen, Fahrzeuge und andere Gegenstände.

Die Partnerschaft mit Blizzard hat für das Wiener Unternehmen Türen geöffnet, die bislang verschlossen waren. Auch Blizzard war zunächst skeptisch. Zwei Jahre lang musste Rabcat testweise Aufgaben erfüllen, bis man erstmals einen offiziellen Auftrag erhielt. Das sei in der Branche durchaus üblich. „Einerseits schauen die, ob wir das können, andererseits ist das auch für uns ein guter Test, ob man zusammenarbeiten kann.“ Der Aufwand für ein 3D-Modell ist hoch, üblicherweise fallen laut Pokorny rund 30 Manntage an. „Wir bekommen am Anfang nur ein 2-D-Konzept, bei dem man gewissen Interpretationsspielraum hat. Man muss natürlich daran feilen, wie das dann auszusehen hat, wenn es in 3-D dargestellt wird.“

So schwer es sei, einen Fuß in die Tür zu bekommen, die Partnerschaft hält meist sehr lange an. „Wenn man den Partner schon kennt, weiß man auch, was man bekommt.“ Das belegt auch die Zusammenarbeit mit dem britischen Studio Playground. Rabcat hat für deren populäre Rennspiel-Reihe Forza Horizon die Landschaften gebaut. Das Projekt war dermaßen aufwendig, dass Rabcat-Mitarbeiter mehrere Monate vor Ort im britischen Leamington Spa untergebracht wurden. „Abseits der Arbeit gab es da nicht viel zu tun, weswegen die Mitarbeiter das Fitnessstudio für sich entdeckt haben“, erzählt Pokorny. Die Liebe zum Krafttraining blieb auch nach der Rückkehr, weswegen Rabcat mittlerweile sogar eine eigene Kraftkammer hat.

"Wir wollen nicht wachsen"

Auch heute arbeitet Rabcat noch mit Playground zusammen. Doch während der Umfang der Forza-Horizon-Titel um ein Vielfaches größer geworden ist, wächst die Zahl der Rabcat-Mitarbeiter nur langsam. “Wir wollen eigentlich nicht wachsen, müssen es aber“, sagt Rabcat-Gründer und Geschäftsführer Thomas Schleischitz. Er schaffte früh den Einstieg in die Videospiel-Industrie, sah aber auch, wie schnelllebig der Erfolg sein kann. Deswegen setzt man seit 2008 mit der Entwicklung von Spielen für Glücksspiel-Plattformen auf ein zweites Standbein. Seit 2010 sind auch die Österreichischen Lotterien Mehrheitseigentümer von Rabcat.

Finanziell steht man stabil da, derzeit erziele man rund fünf Millionen Euro Jahresumsatz und “sehr gesunde“ Gewinne. Rund drei Viertel davon werden aus dem Glücksspiel erwirtschaftet. “Die Eigentümer mischen sich aber kaum ein“, sagt Schleischitz. Laut Pokorny seien zudem die Abteilungen Gambling und Game Art voneinander getrennt. Derzeit ist die 45 Mitarbeiter zählende Firm gut ausgelastet, neben Fortnite und Overwatch arbeitet man an einem dritten Videospiel-Projekt, über das man noch nicht sprechen darf. Verraten will Pokorny nichts: „Meine Söhne fragen auch immer, aber man muss einfach hart bleiben.“