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Kultur

Herr Regener war in Wien: Durch die Melancholie muss man durch

Sven Regener und seine Band Element of Crime waren für zwei Konzerte im Wiener Gasometer.

von Georg Leyrer

05/03/2019, 01:33 PM

Zeit für einen selbstironischen Witz!

Ein alterndes intellektuelles Pärchen, sagt der Mann zur Frau: „Wollen wir mal wieder ausgehen?“, sagt sie: „Wovon?“

Wer darüber vielleicht ein bisschen ertappt gelacht hat, der war am Donnerstag und Freitag im Gasometer gut aufgehoben: Dort spielte Element of Crime, die Band um den vom Feuilleton zu Recht geliebten Sven Regener, gleich zwei Mal hintereinander auf.

Eine Gelegenheit, davon auszugehen, dass man im ironischen T-Shirt immer noch jung aussieht, dass Bier heutzutage wirklich so teuer ist, und dass das Leben zumindest stundenweise so sein kann wie früher.

Element of Crime, die sitzen heute auf der Bühne wie hypertalentierte Musiklehrer von damals, die bei der Maturafeier die allerschönste Weltmusik sanft durch die Faschiermaschine drücken, und heraus kommt eine deutsch durchgewürzte Mischung, die immer noch schmeckt: Es gibt Männerlyrik und Weltauskenner-Trompete, Jazzbesen und Wah-Wah-Gitarre, Anspruch und Melancholie.

Aber nicht nur, denn Regener und seine Kollegen spielen auch neue Songs (aktuelles Album und damit Tourgrund: „Schafe, Monster und Mäuse“), was natürlich risikobehaftet ist; hier nicht wegen etwaiger Publikums-Fadesse, wie sonst so oft, wenn Bands zwischen die alten Hits irgendwas Neues einbauen. Sondern weil Texte ein gar flüchtiger Stoff sind – und Regener gleich einmal eine Strophe vergisst. „Zum Auswendiglernen zu alt, für den Teleprompter zu jung“, kalauert er. „Da muss man erstmal durch.“

Sonst war derart Motivatorisches ganz und gar unnötig: Es flutschte alles durch, die Musik, die wehmütigen Trompetenklänge (irgendwo zwischen Mittelamerika und deutscher Hafenkante), die neuen Songs, die alten Songs.

Mitgemeint

„Absolutes Rauchverbot“, war im Gasometer plakatiert; und auch wenn man da sonst voll einer Meinung ist, hier waren das Schnapsglas und der volle Aschenbecher musikalisch mitgemeint. So rau wie die Liebe und das Leben ist sonst nur der Gesang, da muss man auch mal durch.

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