Kultur
13.11.2018

Herbert Grönemeyer: "Wir sind humanistisch gefordert"

Der Sänger sprach in der ZIB2 über politisches Engagement und den Erfolg der AfD in Deutschland.

"Tumult". So heißt das neue Album des deutschen Sängers Herbert Grönemeyer. In den letzten Tagen und Wochen hat der 62-Jährige zahlreichen Medien Interviews gegeben und sich dabei stets auch sehr politisch geäußert. Etwa in der FAZ, in der er die Flüchtlingssituation als "einen Glücksfall" bezeichnete. Bei seinem Besuch in der ZIB2 am Montagabend nahm er auch dazu Stellung: "Ich glaube, das ist die komplexeste Zeit, in der ich lebe. Das war eine Notsituation. In Deutschland sind Millionen Menschen den Geflüchteten entgegen gegangen, kümmern sich bis heute um die Geflüchteten", sagt Grönemeyer, "Ich glaube, humanistisch sind wir gefordert."

Grönemeyer sieht viele Probleme und komplizierte Themen. Aber: "Ich glaube nicht, dass da die Geflüchteten die Schuld daran tragen." Auf die Kritik, dass es sich aus der Sicht eines privilegierten Millionärs leicht reden lässt, entgegnet der Sänger: "Das hat ja miteinander nichts zu tun. Ich rede über einen humanistischen Gedanken, über eine Mitmenschlichkeit. Ob ich nun viel Geld habe oder wenig Geld habe. Es entlässt mich ja nicht daraus, dass ich mitmenschlich denke. Und nur weil ich Millionär bin, heißt es jetzt nicht, dass ich mir nicht mehr Gedanken machen kann, wie es Menschen geht und wie Menschen fühlen."

Herbert Grönemeyer über Politik

"Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft"

Grönemeyer verweist darauf, dass er im Ruhrgebiet aufgewachsen sei und dort mit Menschen aus aller Welt, speziell aus Europa, groß wurde. Diese Menschen hätten Deutschland aufgebaut. "Es ist denke ich in Österreich genauso. Auch Österreich ist von sehr vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen geschultert worden – bis heute. Deswegen geht es dem Land sicherlich auch sehr stabil".

Den Erfolg der AfD in Deutschland führt er auch darauf zurück,  dass die Menschen "die Wiedervereinigung bis heute nicht vollzogen" hätten: "Wir haben uns miteinander noch nie richtig unterhalten und haben den Menschen im Osten nie zugehört". Deutschland sei aufgrund seiner Geschichte anfällig für rechtes Gedankengut. "Aber ich finde es merkwürdig, dass wir uns vor diesem rechten Gedankengut plötzlich so aufscheuchen lassen. Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft. Wir sind eine erwachsene Gesellschaft", fügt Grönemeyer an.

Service: Das vollständige Transkript von neuwal.com