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Kultur
03/23/2019

Herbert Grönemeyer in Wien drei Stunden euphorisch umjubelt

Auch das elfte Stadthallen-Konzert des Deutschen war wieder der übliche Triumphzug.

„Das toppt alles Dagewesene“ ist sich Herbert Grönemeyer schon nach der Hälfte der „Tumult“-Show in Wien sicher. Denn die Hälfte ist bei ihm, wo sonst Schluss ist: Vor der ersten Zugabe, die einen zweiten, fast genauso langen Teil einleitet.

Wie Grönemeyer zeigen auch die 14.000 Zuschauer bei dem dreistündigen Marathon keinerlei Ermüdungserscheinungen. Sie tanzen, singen, brüllen und tragen den 62-Jährigen im Triumphzug durch den Abend.

 

So eine Euphorie hat triftige Gründe. Die Band spielt präzise und routiniert zusammen, ohne eine Sekunde lang abgebrüht oder gleichmütig zu klingen. Grönemeyer hat auch das perfekte Gespür dafür, wie man eine Show aufbaut: In idealem Timing wechselt er zwischen akustischen Gitarren, bluesigem Rock, Balladen, die er als Solist am Klavier vorträgt, und treibenden Songs, die mal auf Electro-Pop, dann auf Latin-Rhythmen oder funkigen Tönen basieren.

 

Dazu ist er ständig in Bewegung, wenn er nicht beim Piano sitzt, immer vorn an der Rampe. Er animiert, tanzt seinen tollpatschigen Gröni-Twist, den er zum Anlass für selbstironische Kommentare nimmt, und wechselt genauso unfehlbar im Timing Hits mit Überraschendem: Für „Doppelherz/Iki Gönlüm“ holt er sich den Rapper BRKN auf die Bühne, der im Vorprogramm auftrat. „Flugzeuge im Bauch“ spielt er in einer Jazz-Version. Auch das schon fast vergessene „Zur Nacht“ von 2009 ist ein Highlight, das Grönemeyer hier wieder in Erinnerung ruft.

Humorvoll

Anders als bei anderen Künstlern seiner Generation ziehen bei ihm nicht nur die alten Hits: Mit jedem neuen Album kann er seinem Repertoire Bemerkenswertes hinzufügen: Das fröhliche „Taufrisch“ und „Fall der Fälle“ von 2018, oder „Morgen“ von 2015 können sich durchaus mit Klassikern wie „Land unter“, „Mensch“ oder „Kinder an die Macht“ messen.

 

Und dann ist da noch „Ich hab dich lieb“: Nur in Österreich spielt Grönemeyer diesen Song – seit ihm 1984 oder 1986 (wann genau, weiß er nicht mehr) Zuschauer in genau dieser Halle zuriefen „I hob di liab“ und er nach dem dritten Mal kapierte, dass das keine Zuneigungsbezeugung sondern ein Liederwunsch war.

 

Zwischendurch ruft er dazu auf, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken und das „ruhig, geduldig und lustvoll“ zu tun. Aber auch solche Statements halten sich mit humorvollen Sprüchen und authentischem Geplauder perfekt die Waage. So könnte man am Ende nur bemängeln, dass Grönemeyer bei den rockigen Songs im enthusiastischen Überschwang ein bisschen zu viel ins Mikro brüllt. Will man aber nicht. Denn so ein stundenlanges Hochgefühl können nur mehr ganz wenige Ausnahmekünstler verbreiten.