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Europäischer Filmpreis
11/03/2012

Hanekes "Liebe" ist Favorit

"Liebe" ist als bester Film, für das beste Drehbuch und die beste Kamera nominiert.

Michael Hanekes Drama "Liebe" ist mit sechs Nominierungen Favorit für den Europäischen Filmpreis 2012. Dicht auf den Fersen sind dem österreichischen Cannes-Gewinner mit je fünf Nominierungen Steve McQueens "Shame" (Großbritannien) und Thomas Vinterbergs "Die Jagd" (Dänemark). Auch Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" darf sich über eine Nominierung freuen: Margarethe Tiesel geht um den Titel als Beste Schauspielerin ins Rennen. Insgesamt drei Nominierungen bekam der französische Überraschungserfolg und Publikumsliebling "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledano.

"Liebe" ist als Bester Film, für das beste Drehbuch und die beste Kamera nominiert, Haneke als bester Regisseur, und beide Hauptdarsteller, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant, in den Darstellerkategorien. Als "Bester Film" sind außerdem "Barbara" des Deutschen Christian Petzold, "Shame", "Die Jagd", "Ziemlich beste Freunde" und "Cäsar muss sterben" der Italiener Paolo und Vittorio Taviani im Rennen.

Verliehen wird der Europäische Filmpreis am 1. Dezember auf Malta.

Nominierungen

Bester Film:
- "Barbara" von Christian Petzold (Deutschland)
- "Liebe" von Michael Haneke (Österreich)
- "Shame" von Steve McQueen (Großbritannien)
- "Die Jagd" von Thomas Vinterberg (Dänemark)
- "Cäsar muss sterben" von Paolo und Vittorio Taviani (Italien)
- "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledano (Frankreich)

Beste Schauspielerin:
- Nina Hoss ("Barbara")
- Emmanuelle Riva ("Liebe")
- Kate Winslet ("Der Gott des Gemetzels")
- Margarethe Tiesel ("Paradis: Liebe")
- Emilie Dequenne ("A Perdre La Raison")

Bester Schauspieler:
- Jean-Louis Trintignant ("Liebe")
- Francois Cluzet und Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde")
- Michael Fassbender ("Shame") - Mads Mikkelsen ("Die Jagd")
- Gary Oldman ("Dame König As Spion")

Bester Regisseur:
- Michael Haneke ("Liebe")
- Steve McQueen ("Shame")
- Paolo und Vittorio Taviani ("Cäsar muss sterben")
- Thomas Vinterberg ("Die Jagd")
- Nuri Bilge Ceylan (Once Upon a Time in Anatolia)

Bester Regisseur:
- Michael Haneke ("Liebe")
- Steve McQueen ("Shame")
- Paolo und Vittorio Taviani ("Cäsar muss sterben")
- Thomas Vinterberg ("Die Jagd")
- Nuri Bilge Ceylan (Once Upon a Time in Anatolia)

Bester Dokumentarfilm:
- "Winternomaden" von Manuel von Stürler (Schweiz)
- "London - The Modern Babylon" von Julien Temple (Großbritannien)
- "Tea or Electricity" von Jérome le Maire (Belgien)

Bester Animationsfilm:
- "Die Piraten!" von Peter Lord (Großbritannien)
- "Falten" von Ignacio Ferreras (Spanien)
- "Alois Nebel" von Tomás Lunák (Tschechien)

Bestes Drehbuch:
- Michael Haneke ("Liebe")
- Tobias Lindholm und Thomas Vinterberg ("Die Jagd")
- Olivier Nakache und Eric Toledano ("Ziemlich beste Freunde") -
Cristian Mungiu ("Beyond the Hills")
- Roman Polanski und Yasmina Reza ("Der Gott des Gemetzels")

Beste Kamera:
- Darius Khondji ("Liebe")
- Sean Bobbitt ("Shame")
- Bruno Delbonnel ("Faust")
- Gökhan Tiryaki ("Once Upon a Time in Anatolia")
- Hoyte Van Hoytema ("Dame König As Spion")

Bester Schnitt:
- Joe Walker ("Shame")
- Roberto Perpignani ("Cäsar muss sterben")
- Janus Billeskov Jansen und Anne Osterud ("Die Jagd")

Bestes Szenenbild:
- Maria Djurkovic ("Dame König As Spion")
- Niels Sejer ("Die Königin und der Leibarzt")
- Elena Zhukova ("Faust")

Beste Filmmusik:
- Cyrille Aufort und Gabriel Yared ("Die Königin und der Leibarzt")
- François Couturier ("Shun Li and the Poet")
- George Fenton ("Angels` Share - Ein Schluck für die Engel")
- Alberto Iglesias ("Dame König As Spion")

Bester Debütfilm:
- "Die Vermissten" von Jan Speckenbach (Deutschland)
- "Teddy Bear" von Mads Matthiesen (Dänemark)
- "Broken" von Rufus Norris (Großbritannien)
- "Kauboy" von Boudewijn Koole (Niederlande)
- "Twilight Portrait" von Angelina Nikonova (Russland)

Was passiert nach dem Jubel?

Großer Jubel herrscht im Hause Österreich, nachdem Michael Haneke für "Amour" in Cannes die Goldene Palme erhalten hatte. Auch Ulrich Seidls Teilnahme mit "Paradies: Liebe" trug wesentlich zum Renommee des österreichischen Films bei.

Nun steht noch dazu nach Meinung vieler auch wieder eine "österreichische" Oscar-Nominierung an. Sollte Hanekes Film für den Auslands-Oscar nominiert werden, müsste er theoretisch als österreichischer Film gelten, glaubt Veit Heiduschka, Chef der Wega-Film und österreichischer Ko-Produzent von "Amour". Die Franzosen würden Haneke als österreichischen Autor ansehen.

Dabei ist – auch abseits jeder chauvinistischen Debatte über Nationalitäten – die Förderrealität eine andere. Die Produktionskosten von acht Millionen Euro wurden nur zu zehn Prozent von österreichischen Geldern beglichen. Deutschland zahlte doppelt so viel, Frankreich übernahm 70 Prozent. Ist der nun wieder erfolgende Ruf nach mehr Geld für den österreichischen Film also berechtigt? "Auf jeden Fall", betont Martin Schweighofer von der Austrian Film Commission: "In den letzten Jahren ist das Budget gleich geblieben, sodass sich die Schere zwischen den Produktionskosten und den Fördermitteln vergrößert hat."

Mehr Mut

Trotzdem habe die Filmförderung – pro Jahr gibt es insgesamt knapp 70 Mio. Euro – auch viel richtig gemacht: "Hätte Haneke seinen ersten Film ,Der siebente Kontinent" in Deutschland gedreht, wäre es danach vorbei gewesen. In Österreich muss man nicht so nach dem Markt schielen und kann in der Förderung mehr ,ausfransen"", meint Schweighofer: "So kann man sich auch zu Filmemachern wie etwa Seidl bekennen, deren Filme ungewöhnlicher sind."

Auch Heiduschka stößt in diese Richtung: "Wir trauen uns mehr", sagt er. "Hierzulande ist die Filmförderung näher an den Künstlern dran. Trotzdem: Mehr Geld ist absolut notwendig. Zumindest jene 20 Millionen Euro, die in der Regierungserklärung dem Filminstitut (ÖFI) versprochen wurden, sollten endlich ausgeschüttet werden. Es gibt viele Lippenbekenntnisse, aber niemand steigt auf die Barrikaden."

Kulturministerin Claudia Schmied sieht die Sache anders: "Die Ministerin setzt sich sehr für den österreichischen Film ein und weiß seinen Stellenwert zu schätzen", so deren Sprecherin: "Seit Schmieds Antritt 2007 ist das ÖFI-Budget von 9,6 auf 16,6 Millionen Euro gestiegen. Wir setzen uns weiterhin für die 20 Millionen ein, waren aber heuer in Anbetracht der Finanzlage froh, das Budget zumindest gleich halten zu können."

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